EPs 2016 - Platz 5- Steven Wilson: 4½

Den Anfang macht Steven Wilson mit seiner aktuellen EP "4½" .

Steven Wilson braucht man vermutlich kaum jemandem mehr vorzustellen. Jahrelang vor allem durch seine Hauptband Porcupine Tree bekannt geworden, verfolgt Wilson neben seiner Tätigkeit als Produzent in den letzten Jahren vor allem seine Karriere als Solomusiker. Als solcher hat er der Welt inzwischen vier Alben zur Verfügung gestellt, wobei sich besonders die letzten beiden, also "The Raven That Refused To Sing (And Other Stories)"  und "Hand. Cannot. Erase." als wahre Meisterwerke herausstellten.

 

"4½" lautet nun der Titel seiner ersten Solo-EP, wobei der Titel natürlich auf die bisherigen vier veröffentlichten Alben anspielt, es sich hierbei aber eben nicht um ein vollwertiges Album handelt. Allerdings kommt "4½" mit einer Gesamtspielzeit von 37 Minuten durchaus auf die Länge so manches Albums anderer Bands. 

"4½"  ist insgesamt eine etwas zwiespältige Angelegenheit. Sechs Songs stehen auf der Platte, wirklich brauchen tut man davon allerdings nur drei. Auf der Habenseite steht zunächst einmal der knapp zehnminütige Opener "My Book of Regrets". Der Song wurde bereits vor Veröffentlichung der EP live gespielt - und in der Tat basiert auch die Version auf "4½" auf einer Liveaufnahme aus Montreal aus dem Juni 2015. Diese wurde im Studio natürlich nachträglich bearbeitet und mit Overdubs versehen, das Grundgerüst ist allerdings live. Ein toller, mitreißender und spannender Song, in dem Wilson von fast jazzigen Passagen über ausufernde Instrumentalstellen bis hin zu hartem Rock durch sein Stilportfolio wildert.

 

Dann hätten wir da "Happiness III"  - ein wunderbares Beispiel für Wilsons Gefühl für poppige, eingängige Melodien, das er ja schon in Songs wie "Hand. Cannot. Erase.", "Postcard" oder auch mit seinem Projekt Blackfield zu genüge unter Beweis gestellt hat. Beatles-Vibes treffen auf eine wundervolle Melodie und ein Ohrwurmpotential, das sich gewaschen hat. Ganz großes Kino und für mich persönlich das Highlight dieser Platte. Geschrieben wurde der Song bereits 2003, kommt aber erst jetzt zu Aufnahme- und Veröffentlichungsehren.

Und dann wäre da noch "Vermillioncore", ein härteres Instrumentalstück, ebenfalls bereits vor Veröffentlichung von "4½"   live vorgestellt. Der Song könnte durchaus auch von den späten Porcupine Tree stammen, hier erinnert schon einiges an "In Absentia" oder "The Incident" - eben ein für Wilson typisches, hartes Instrumentalstück.

 

Dem gegenüber stehen nun zwei weitere Instrumentalsongs. "Year of The Plague"  und "Sunday Rain Sets In"  sind beide sehr ruhig und plätschern teilweise etwas beliebig vor sich hin. Während der erstgenannte Song bereits aus den Aufnahmesessions zu "The Raven That Refused To Sing"  stammt, enstand "Sunday Rain Sets  In"  bei den Aufnahmen zum letzten Album. Stilistisch unterscheiden sie sich allerdings nicht groß. Beide sind wie gesagt ziemlich ruhig, plätschern etwas vor sich hin und wirken auf mich eher wie Zwischenspiele anstatt wie richtige Songs. "Sunday Rain Sets  In" geht minimal mehr aus sich raus und ist auch etwas besser, wirklich zwingend sind aber beide Stücke nicht. Man muss allerdings fairerweise sagen, dass vor dem Release der EP kommuniziert wurde, dass diese zur Hälfte aus Instrumentals bestehen würde. Von einer Mogelpackung kann man also nicht sprechen.

 

Den Abschluß schließlich bildet mit  "Don't Hate Me" die Neueinspielung eines Porcupine Tree-Songs von 1998. Den Gesang teilt sich Wilson hier mit der israelischen Sängerin Ninet Tayeb, die ja auch schon auf "Hand. Cannot. Erase." Gastvocals beigesteuert hatte. Auch dieser Song basiert auf einer Liveaufnahme, sie dann im Studio nachbearbeitet und verfeinert wurde. Ich finde allerdings, dass Tayebs Stimme nur bedingt zu diesem Lied passt und auch ansonsten hat das Original hier die Nase vorn. Braucht man also auch nicht so richtig.

 

Fazit:

"4½" hinterlässt wie gesagt einen zwiespältigen Eindruck. Die guten Songs sind wirklich richtig gut, allerdings wirkt die EP eben auch mit etwas viel Füllmaterial aufgepumpt. Für Fans ist "4½" allein wegen der drei Treffer Pflicht und eine interessante Veröffentlichung bleibt es allemal. Der ganz große Wurf gelingt Wilson dann hoffentlich wieder mit dem nächsten regulären Studioalbum.

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Kommentare: 4
  • #1

    M.o.D. (Dienstag, 03 Januar 2017 12:30)

    Pflicht für wen ? :-)

    Jetzt ist wenigstens ein Kommentar da, wenn auch nur ein blöder.
    Go on.

  • #2

    Stefan (Dienstag, 03 Januar 2017 12:46)

    Für Fans, steht da doch

  • #3

    The_Real_Steven_Wilson (Dienstag, 03 Januar 2017 15:16)

    Nice Review, chap. Thanks. Danke schon.

  • #4

    The_real_Real_Steven_Wilson (Dienstag, 03 Januar 2017 15:19)

    Dude, great stuff & amazing review, love & peace, gute machen weiter so danke vielenmals.