EPs 2016 - Platz 4 - Black Space Riders: Beyond Refugeeum

Platz 4 der besten EPs 2016 belegen die Black Space Riders aus Münster.

2015 gehörte die Münsteraner Band Black Space Riders mit ihrem vierten Album "Refugeeum" zu meinen besten Neuentdeckungen. Eigenständige, klischeefreie Rockmusik, mal eingängig auf die Zwölf, mal in die endlosen Weiten des Weltraums ausufernd. Schon allein aufgrund der Thematik (die Flüchtlingskrise) zwar einerseits eher düster,  auf der anderen Seite aber immer irgendwie beschwingt und einfach mitreißend.

Da war ich natürlich froh, als die Band eine Nachfolge-EP namens "Beyond Refugeeum E.P." (der Einfachheit halber im folgenden schlicht "Beyond Refugeeum" genannt) ankündigte, quasi als Anhang zum eigentlichen Album.

 

Das Coverartwork der EP entspricht dann folgerichtig auch dem des "Refugeeum"-Albums, allerdings erstrahlt das ursprüngliche Schwarzweiß-Bild nun in psychedelischen Farben. Der Vinylausgabe von "Beyond Refugeeum" ist übrigens vorbildlicherweise auch eine CD beigelegt, so dass man die Musik bei Bedarf auch unterwegs und digital genießen kann. 

Insgesamt sechs Songs stehen auf "Beyond Refugeeum", wobei es sich dabei um vier brandneue Tracks und zwei Remixe von älteren Songs handelt.

Den Anfang macht das Instrumental "Willkommen",  ein ruhig beginnender Song, der sich im Verlauf immer weiter steigert, lauter, härter und schneller wird und in einem wahren Rockorkan endet. Eine einprägsame Gitarrenmelodie bildet das Fundament und ist das wiederkehrende Hauptthema des Songs. Klasse. 

 

"Freedom At First Sight" rockt ordentlich nach vorne und ist eine ganze Ecke straighter unterwegs als die meisten Songs des Hauptalbums. Man könnte hier eigentlich schon von einem kleinen Hit sprechen, besonders die Passage nach dem Solo bis zum Schluß ist schon recht eingängig. Den Text verstehe ich als eine Beschreibung der Willkommenskultur, die sich aber relativ schnell in Reglementierungen und Forderungen nach Integration und Anpassung wandeln kann. "Welcome to your new rules / Welcome to our world / Please conform a little / Give up your former life".

"Droneland" lässt sich erstmal Zeit für ein spaciges Intro, bevor der Song nach zwei Minuten ebenfalls ordentlich Gas gibt. Der Song erinnert mich noch am ehesten ans "Refugeeum"-Album, auch wenn er schneller ist als die Songs darauf. Von der Stimmung und der Machart her hätte dieser Song dennoch gut auf dem Hauptalbum stehen können. Die Black Space Riders spielen sich hier in einen wahren Rausch, der Song wirkt dabei aber trotz aller Gehetztheit und des hohen Tempos dennoch stets unter Kontrolle.  Bis hierhin drei Volltreffer, die dem Album qualitativ in nichts nachstehen.

 

Der vierte und letzte neue Song ist "Starglue Sniffer" , der trotz des eigenartigen Titels ebenfalls die inhaltliche Thematik fortsetzt. Stilistisch fällt der Song allerdings ganz schön aus dem Rahmen. Deutlich weniger rockig, dafür technisch unterkühlt wirkend. Die Gitarren übernehmen erst nach knapp der Hälfte die Führung. Aufgrund des dann gespielten Riffs und auch des ungewöhnlich hohen Gesangs erinnert mich "Starglue Sniffer" stark an Muse. Die übrigen drei Songs gefallen mir besser, aber auch der vierte ist gut und kann als gelungenes Experiment bezeichnet werden.

 

"Vrtx Rmx" ist der Titel des ersten Remixes, das zugrunde liegende Original heißt "Vortex Sun" und war der Opener von "Refugeeum". Ich persönlich kann mit diesem Remix nicht allzuviel anfangen. Der Song wurde völlig auseinandergenommen und neu zusammengesetzt, hier regieren jetzt psychedelisches Gewaber, flirrende Simmen, ein veränderter Rhytmus und allerlei Soundeffekte. Kann man machen, mein Ding ist es in diesem Fall aber nicht so, vor allem nicht, wenn ich das epische Breitwand-Original mit seiner sich langsam auftürmenden Wall of Sound im Ohr habe.

 

Der letzte Song hört auf den schönen Namen "Gravitation (Elektro Klub Remix by Testsieger)" und ist ein Remix des Songs "Give Gravitation To The People" vom Album "D:Rei". Der Song ist im Original ja schon ziemlich tanzbar, das hat man hier dann nochmal verstärkt. Die Gitarren klingen etwas glatter und weniger kantig, dafür ist der Beat satter und hat mehr Wums.

Die im Original weit in den Hintergrund gemischten "Ooohooo"-Vocals stehen hier deutlich im Vordergrund und werden zudem durch Effekte verfremdet. Im Grunde ist der Remix nicht allzuweit vom Original weg, legt aber eben die Schwerpunkte anders. Als Bonus finde ich den Mix jedenfalls klasse und eben eine gelungene Alternative zum Original.

 

Mit "Beyond Refugeeum" haben die Black Space Riders eine gelungene, gut halbstündige Zugabe zu ihrem sehr starken "Refugeeum"-Album abgeliefert. Ich höre die beiden Platten gerne am Stück, was ganz hervorragend zusammenpasst und funktioniert. Eine tolle Band, die hoffentlich noch viel von sich hören lassen wird.

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