EPs 2016 - Platz 3 - Anna Von Hausswolff: Källan (Betatype)

Die nächste EP - "Källan (Betatype)" von Anna Von Hausswolff.

Im Grunde ist es unsinnig, die für mich interessanten EPs aus 2016 in eine Rangfolge bringen zu wollen. Mal abgesehen von den Plätzen 1 und 5 liegt das alles mehr oder weniger gleichauf. Aber nun gut, was soll's. Weiter geht es heute also mit der EP "Källan (Betatype)" der schwedischen Musikerin Anna von Hausswolff (ja, die heißt wirklich so).

Es gab vor einigen Jahren bereits eine Platte namens "Källan (Prototype)" , die von Anna von Hausswolff live in der Lincoln Cathedral aufgenommen wurde. Mir ist diese Platte allerdings nicht bekannt und den genauen Zusammenhang kenne ich darum nicht - dass sich die neue Aufnahme "Källan (Betatype)" aber darauf bezieht, ist natürlich offensichtlich. Soviel ich weiß, handelt es sich um verschiedene Inkarnationen bzw. Entwicklungsstufen ein und desselben Stücks. "Källan" bedeutet übrigens "Quelle" und ist der Titel eines Buches des schwedischen Schriftstellers Walter Ljungquist, das wiederum Anna von Hausswolff zu dieser Platte inspirierte.

 

"Källan (Betatype)" erschien ausschließlich auf Vinyl, es gab zwei verschiedene Ausgaben (eine von Ash Records, eine von Pomperipossa Records), die auf jeweils 500 Exemplare limitiert waren und soweit ich das sehe, inzwischen komplett vergriffen sind. Beide Cover (unten ist das von Pomperipossa Records zu sehen) wurden von Anna von Hausswolff selber gestaltet, die Platten sind zudem handnummeriert und signiert. Schon was besonderes also, und man musste hier schnell sein. Für diejenigen, die es verpasst haben oder die einfach nur mal reinhören wollen, gibt es "Källan (Betatype)" aber zumindest bei Spotify.

Die Musik von Anna von Hausswolff beschreiben zu wollen, ist schon bei ihren regulären Alben kein einfaches Unterfangen und"Källan (Betatype)" macht es einem da nicht gerade leichter. Die EP besteht im Grunde nur aus einem einzigen, großen, 21-minütigen Song. Da man natürlich trotzdem die Platte umdrehen muss, könnte man auch von zwei Parts eines Songs reden, so oder so handelt es sich aber um ein Gesamtkunstwerk.

Wer Anna von Hausswolffs Musik kennt, weiß, dass die (Kirchen)orgel in ihrem Schaffen eine große Stellung einnimmt. Und mit Orgel ist jetzt nicht irgendein Kirmesinstrument gemeint - ihr letzte Album "The Miraculous" entstand beispielsweise auf dem Acusticum Pipe Organ von Piteå. Wenn Sie einmal schauen möchten...

 

"Källan (Betytype)" ist kein Song im herkömmlichen Sinne. Vielmehr wären hier Begriffe wie "Komposition" oder "Stück" sicher zutreffender. Das ganze hat mehr von klassischer Musik als von den Strukturen herkömmlicher Rockmusik. Im Gegensatz zu ihren Alben verzichtet Anna von Hausswolff auf dieser Platte auch komplett auf Gesang.

Die Orgel dominiert alles. Zwar setzten Gitarren, Synthies und eine Zither Akzente und nach über einer Viertelstunde setzt sogar ein Schlagzeug ein, aber insgesamt ist das ein Orgelstück und sollte wohl auch als solches gehört werden. Da wird auch schonmal ein besonders tiefer Ton über 20 Sekunden gehalten (an dieser Stelle dreht man die Platte um), ansonsten schichten sich hier die Klänge übereinander, das ganze wirkt oft unwirklich, sehr düster, teilweise spukig. Die Zeit verliert irgendwie an Bedeutung, es fällt beim Hören schwer zu sagen, ob das Stück jetzt gerade schon fünf oder zwölf Minuten läuft.

Nachdem "Källan (Betatype)" trotzdem über den Großteil der Spielzeit vergleichsweise leicht zu hören ist, wird es in den letzten Minuten dann sehr laut, lärmig, stellenweise dissonant, alles steigert sich zu einem großen, lauten Finale. Das bricht dann plötzlich ab und aus dem Chaos erhebt sich ein letzter, schwebender, ganz klassischer Kirchenorgelton. Ein ziemlich gewaltiges und beeindruckendes Ende.

 

Anna von Hausswolffs Musik ist sicherlich nichts für jeden Tag. Aber dass das eine verdammt beeindruckende Künstlerin ist, die zudem sehr eigenständige Musik kreiert, steht wohl außer Frage.

 

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