EPs 2016 - Platz 1 - The Ruins Of Beverast: Takitum Tootem!

Die Pole Position wird enthüllt: "Takitum Tootem!" von The Ruins Of Beverast.

Es ist tatsächlich schon wieder drei Jahre her, seit das Aachener Extrem-Metal-Kommando The Ruins Of Beverast mit "Blood Vaults - The Blazing Gospel Of Heinrich Kramer"  eines der für mich besten Doom/Death/Black-Metalalben aller Zeiten herausbrachte. Während sich die meisten Finsterfritzen ja immer noch gerne auf Satan, sonstige Höllenbrut oder irgendwelchen okkulten Esoterik-Mystik-Schwurbelquatsch berufen, gingen The Ruins Of Beverast quasi den umgekehrten Weg und vertonten mal eben den Hexenhammer - ein Buch, das in seiner Bosheit und Abartigkeit natürlich alles andere locker in den Schatten stellt. Was für ein epochales Meisterwerk (das Album, nicht das Buch).

 

Es war reiner Zufall, dass ich Ende 2016 auf der Homepage von Ván Records darauf stieß, dass tatsächlich am nächsten Tag eine neue EP der Band das Licht der Welt erblicken sollte. Ehrensache natürlich, dass ich sofort auf den "Bestellen"-Knopf hämmerte. Das Werk hört auf den klangvollen Namen "Takitum Tootem!" und lag prompt 3 Tage später auf der Fußmatte.

 

Wie üblich bei Ván Records ist die Aufmachung der EP wieder einmal sehr schick ausgefallen. Schönes, raues Material, das sich sehr gut anfasst, so mag ich das. Dazu liegt außerdem ein großformatiges Poster des Coverartworks bei (nicht auf dem Foto zu sehen) - und: offenbar ist man bei Ván tatsächlich mal aufgewacht resp. im 21. Jahrhundert angekommen: Es gibt bei der Vinylversion (verfügbar in schwarzem oder durchsichtigem Vinyl) tatsächlich einen Download-Code. Hervorragende Sache.

Über das Cover selbst kann man natürlich geteilter Meinung sein. Vordergründig sieht der ans Kreuz genagelte Wolfsmensch, um den sich eine dicke Schlange windet natürlich schon ganz nett aus, andererseits ist das aber schon reichlich plakativ und erinnert von Motiv her natürlich auch derbe an die Artworks einer Quatschkapelle wie Powerwolf. Aber was soll's - es sieht nun einmal aus, wie es aussieht. Ansonsten noch ein Tip vorweg: Es hilft, die Platte auf 45 rpm abzuspielen.

Die A-Seite enthält den Titelsong "Takitum Tootem! (Wardance)". Dieser ist wohl als Auftakt für etwas zu sehen, das auf dem kommenden Album der Band fortgesetzt werden soll. Sozusagen ein Vorbote des nächsten Albums.  Der Titel deutet ja schon an, dass das Material wohl in eine etwas andere Richtung als gewohnt geht.

Und richtig: Nach einem eigentümlichen Intro mit allerlei Geräuschen, Geflüster und seltsamen Lauten, von denen nicht ganz klar ist, ob sie menschlichen oder tierischen Ursprungs sind geht nach anderthalb Minuten der eigentliche Song los. Sofort fällt der Rhythmus auf, der ungewohnt und irgendwie nach Urwald klingt. Sehr monoton, sehr hypnotisch und tribalmäßig. "Wardance" trifft es ziemlich auf den Punkt, man sieht das riesige Lagerfeuer, um das irgendein Aztekenvolk herumtanzt und seine Beschwörungen murmelt quasi vor sich. Der Song basiert auf einem simplen Riff, das in seiner Machart und eben auch im Zusammenspiel mit den Trommeln in mir eine starke Assoziation zu Sepulturas "Ratamahatta" hervorruft. 

Alexander von Meilenwalds Gesang ist ähnlich dem Stil des letzten Albums gehalten, tiefes, gutturales Röcheln. Dazu gibt es aber auch ein paar verzerrte Klarvocals und im Hintergrund sind manchmal Schreie zuhören. Das Ganze wirkt auf jeden Fall sehr rituell und fast dämonisch.

An zwei Stellen wird der Rhythmus mal kurz unterbrochen, ansonsten zieht sich das aber den ganzen Song so durch. Ziemlich coole Nummer, die nach ca. neun Minuten endet und die Vorfreude aufs nächste Album steigen lässt.

Bezüglich der B-Seite muss ich gestehen, da vorab so meine Zweifel gehabt zu haben. Pink Floyd sind ja nun nicht irgendeine Band und wenn Metalbands sie covern, geht das in den allermeisten Fällen nicht gut bzw. mit Karacho in die Hose. Was passiert also, wenn eine Extrem-Metalband wie The Ruins Of Beverast sich an diese Altvorderen heranwagt?

Die Antwort: Die mit Abstand beste Pink Floyd-Coverversion, die mir jemals untergekommen ist und auch im Bereich Coverversionen an sich ist das hier schon ziemlich weit vorne.

The Ruins Of Beverast versuchen sich hier an "Set The Controls For The Heart Of The Sun" vom zweiten Pink Floyd-Album "A Saucerful Of Secrets" - und sie obsiegen auf voller Linie. Mit knapp zwölf Minuten ist die Ruins-Version mehr als doppelt so lang wie das Original. 

Musikalisch bewegt man sich gar nicht allzuweit vom Original weg. Das Ganze klingt ein bißchen weniger bekifft und dafür mit mehr Biss gespielt, aber immer noch psychedelisch und weltraumhaft ohne Ende. Die Trommeln (man muss hier wirklich eher von Trommeln als von Drums reden) stehen etwas weiter im Vordergrund als bei Pink Floyd, das ganze wirkt passend zur A-Seite insgesamt tribalmäßiger, perkussiver und auch intensiver als das Original. Es gibt Metal-Gitarren, diese sind allerdings mit viel Hall so weit im Hintergrund, dass sie den Song perfekt ergänzen, statt ihn zu zerhauen. Der Gesang ist melodisch, dabei aber verfremdet bzw. verzerrt. Für mich klingt das eigentlich eher wie eine Gruppe Mönche, die das Lied singt.

Der Song steigert sich immer weiter und wird zwischenzeitlich durchaus auch mal laut, aber nie lärmig. Ansonsten jammen The Ruins Of Beverast hier jede Menge herum und walzen das Lied nach allen Regeln der Kunst aus. In der Mitte gibt es eine ruhige Stelle mit schwebenden Keyboards und Weltraumgewaber, dann setzen die Trommeln wieder ein und leiten in den zweiten Teil von "Set The Controls For The Heart Of The Sun" über. Die letzten Sekunden des Songs gehören den merkwürdigen Lauten, die auf der A-Seite "Takitum Tootem! (Wardance)" eingeleitet haben - so schließt sich der Kreis.

 

Ich muss sagen, dass ich wirklich begeistert bin, was The Ruins Of Beverast aus diesem Song gemacht haben. Einen dunklen, hypnotischen, faszinierenden Trip in die Tiefen des Weltraums, abgründiger und böser als das Original, aber eben ohne es auch nur im Ansatz zu verhunzen. Stattdessen atmet die Coverversion zu jeder Sekunde den Spirit von Pink Floyd, klingt dabei aber trotzdem wie ein Song von The Ruins Of Beverast - eine in meinen Augen perfekt gelungene Ehrerbietung und als Coverversion schlichtweg nicht besser machbar. 

 

Mit "Takitum Tootem!" haben The Ruins Of Beverast somit die für mich beste EP des Jahres 2016 abgeliefert. Ein toller, eigener Song und eine Coverversion, die zu den besten gehört, die ich je gehört habe. Klar die Pole Position! Neues Album bitte bald!

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Hørm (Freitag, 06 Januar 2017 16:15)

    Die Version des Songs von Psychic TV solltest du ebenfalls hören: https://www.youtube.com/watch?v=2GsyeNvtTzI

  • #2

    Plopp (Freitag, 06 Januar 2017 16:54)

    jau, ebenfalls cool. :-)

  • #3

    Phil (Samstag, 14 Januar 2017 15:52)

    Die habe ich mir auch geholt und werde sie heute noch hören.