2016 in Alben - Platz 20 bis 17

2016 war mal wieder ein ziemlich starkes Musikjahr. Und so ist es eigentlich noch müßiger, die 20 besten Alben in eine Reihenfolge bringen zu wollen, als das bei den fünf EPs der Fall war. Jedoch: It's a dirty job and someone's gotta do it. Von daher starte ich heute einmal mit den Plätzen 20 bis 17 der meiner Meinung nach besten Alben 2016.


PLATZ 20: ROME - THE HYPERION MACHINE

 

01. The Hyperion Machine (0:23)

02. Celine In Jerusalem (4:41)

03. Transference (4:25)

04. The Alabanda Breviary (3:21)

05. Stillwell (5:03)

06. Cities Of Asylum (4:34)

07. Skirmishes For Diotima (4:42)

08. Adamas (6:32)

09. The Secret Germany (For Paul Celan) (4:09)

10. Die Mörder Mühsams (4:28)

11. FanFanFan [Bonus Track] (4:54)

"The Hyperion Machine" ist bereits das elfte reguläre Studioalbum von Rome seit dem Jahr 2006. Ihre EP "Coriolan", ebenfalls  2016 erschienen , hatte ich ja schon an anderer Stelle  vorgestellt. Inspiriert von Hölderlins "Hyperion" bietet das Album wie gewohnt hochklassiges Material von Jerome Reuter. Es ist insgesamt ein wenig gradliniger als die EP, aber wer die eine Veröffentlichung mag, macht auch mit der anderen nichts falsch. 

Die Ohrwurmquote ist auch auf diesem Album mit Songs wie "Celine In Jerusalam", "The Alabanda Breviary" ,"Cities Of Asylum" und anderen wieder einmal ziemlich hoch. Das fasziniert mich an Rome mit am meisten: Natürlich bewegen sie sich in einem gewissen stilistischen Rahmen, aber wie sie am laufenden Band solche Hitsongs raushauen, und das mit beeindruckender Schlagzahl, ist schon irre. Dazu kommt Reuters tolle Stimme, die ebenso einlullend wie eindringlich ist - er ist einfach ein Sänger, dem man gerne zuhört.

Beim Bonustrack "FanFanFan" handelt es sich um eine (hier auf Englisch dargebrachte) Coverversion des schwedischen Musikers Thåström, der Reuter im Song "Stillwell" auch gesanglich unterstützt. Das ruhige, ungewöhnlich düstere "Adamas" ist ein weiteres Highlight der Platte. Ansonsten ist der Message in "The Secret Germany (For Paul Celan)", die man wohl leider als aktueller denn je bezeichnen muss, nicht mehr viel hinzuzufügen: 

"Verschließe nicht das Tor, verschließe nicht Dein Herz. Lasst weder Angst noch Hass Europas Erbe bestimmen. Wer rettet uns den Frieden wenn nicht wir selbst?" 


PLATZ 19: THE BESNARD LAKES - A COLISEUM COMPLEX MUSEUM

 

01. The Bray Road Beast (5:30)

02. Golden Lion (3:48)

03. Pressure Of Our Plans (5:22)

04. Towers Sent Her To Sheets Of Sound (4:28)

05. The Plain Moon ( 4:26)

06. Necronomicon (3:40)

07. Nightingale (5:08)

08. Tungsten 4: The Refugee (6:13)

The Besnard Lakes aus Montreal haben mit "A Coliseum Complex Museum" 2016 ihr fünftes Studioalbum vorgelegt. Was sich beim Vorgänger "Until In Excess, Imperceptible UFO" (nein, ich weiß nicht, ob die beim Erfinden Ihrer Albumtitel immer ganz nüchtern sind...) bereits andeutete, setzt sich auf dem neuen Album fort: 

Die Musik der Band wird nach und nach immer eingängiger. Dabei würde ich nicht sagen, dass der Stil sich in allzugroßem Maße verändert. Viel mehr wird meiner Meinung nach das Songwriting einfach immer besser - und okay, etwas ruhiger sind sie wohl auch geworden. The Besnard Lakes spielen Musik, die Elemente aus Indie, Folk, Psychedelic Rock und teilweise auch Pop beinhaltet. Um es einmal ganz grob zu umreißen, könnte man sich vorstellen, die Fleet Foxes hätten mit den Pink Floyd der ersten Hälfte der Siebziger Jahre ein uneheliches Kind gezeugt. Die Hauptpersonen sind das Ehepaar  Olga Goreas und Jace Lasek, die sich auch auf "A Coliseum Complex Museum" wieder die Gesangsparts teilen, was für eine gewisse Abwechslung sorgt. Laseks Gesang ist oftmals hoch, wirkt fast entrückt, und auch Goreas scheint oft in anderen Sphären zu schweben. Dennoch wirkt das ganze bei aller nicht abzustreitenden Bekifftheit stets erdverbunden genug, um nicht in irgendwelche Waberwelten abzudriften. Mehrstimmiger Gesang ist ansonsten eigentlich fast die gesamte Spielzeit Pflicht.

"A Coliseum Complex Museum" ist ein richtig schönes, entspanntes Album. Nichts zum Party machen, aber für einen gemütlichen Sonntag Nachmittag auf der Couch dafür umso besser geeignet. Wie bei Jagjaguwar (das ist das Label) üblich, liegt dem schnieken Vinyl ein Download-Code bei.


PLATZ 18: SCHAMMASCH - TRIANGLE

 

I. The Process Of Dying

01. Crepusculum (3:09)

02. Father's Breath (3:53)

03. In Dialogue With Death (6:19)

04. Diluculum (3:30)

05. Consensus (8:19)

06. Awakening From The Dream Of Life (8:16)

II. Metaflesh

01. The World Destroyed By Water (5:23)

02. Satori (8:30)

03. Metanoia (8:00)

04. Above The Stars Of God (8:17)

05. Conclusion (3:15)

III. The Supernatural Clear Light Of The Void

01. The Third Ray Of Light (7:13)

02. Cathartic Confession (4:53)

03. Jacob's Dream (5:00)

04. Maelstrom (7:56)

05. The Empyrean (8:24)

 

Ein Dreifach-Album. Drei CDs, alle 33 Minuten und 30 Sekunden lang. Und na klar, "Triangle"  ist das dritte Album der Band, Ehrensache. Es ist schon ein ganz schöner Brocken, den die Schweizer Band Schammasch hier dem Publikum zum Fraß vorwirft, alleine von der Spielzeit her. Aber auch ansonsten sieht man im Prinzip schon an der Tracklist, dass es sich hierbei nicht um irgendeinen leichtverdaulichen Kram handelt, sondern dass ordentlich Hirnschmalz in "Triangle" steckt. Ich kann nicht behaupten, vollendes hinter das Thema oder Konzept des Albums gestiegen zu sein, andererseits finde ich das aber auch nicht so wichtig. Grob umrissen geht es wohl um verschiedene Ebenen des Daseins und dass der Tod nicht zwingend das Ende sein muss. Zumindest verstehe ich es so.

Schön fand ich jedenfalls im Deaf Forever-Interview die Aussage von Schammasch, das man sich selbst als Band mit einer positiven Message sieht. Sollte es sich trotz aller auf den ersten Blick etwas aufgeblasen wirkenden Konzeptmystik, der Optik mit verhüllten bzw. maskierten Gesichtern und dem geheimnisvollen Zahlengespiele tatsächlich mal um Musik mit Substanz und Inhalt handeln, die auch ohne okkulten Überbau funktioniert? Es scheint fast so.

"Triangle", übrigens ausgestattet mit einem ebenso stilvollen wie für eine Metalband sehr ungewöhnlichen Artwork ist wie gesagt in drei Teile unterteilt: Teil 1, "The Process Of Dying" ist dabei noch am ehesten im Death- bzw. Black Metal verwurzelt. Das Tempo ist oft hoch (aber nie rasend), der Gesang meist harsch und eben im Death Metal beheimatet. Teil 2 "Metaflesh"  nimmt das Tempo hier und da mehr raus und die klaren Vocals stehen mehr im Vordergrund, das ganze wirkt ruhiger, aufgeräumter, aber auch düsterer als Teil 1. Teil 3 schließlich, der mit "The Supernatural Clear Light Of The Void" überschrieben ist, ist dann der ruhigste Teil. Metal gibt es hier keinen mehr zu hören, dafür  finstere Ambientmusik, viel Percussion und jede Menge Atmosphäre. Bis auf "The Empyrian", in dem ein längerer Text gesprochen wird, ist Teil 3 zudem vollständig instrumental. 

Trotz der unterschiedlichen Ausrichtungen der drei Albumteile schaffen Schammasch es, das Album wie aus einem Guss klingen zu lassen und keinen wirklich großen Bruch zu fabrizieren. Ich persönlich hätte es eventuell noch besser gefunden, wenn die Ambientsachen der dritten CD mehr in die anderen beiden Teile eingeflochten worden wären. Klar, dann geht das Konzept nicht mehr auf und die Dreiteilung würde dann kaum noch Sinn ergeben, aber ich könnte mir vorstellen, dass eine stärkere Mischung der drei Teile noch besser funktioniert hätte. Letztlich weiß ich aber es nicht, denn ausprobiert habe ich das nicht.  So oder so ist "Triangle" aber eine sehr starke und spannende Veröffentlichung. Richtig schick ist das ganze natürlich dann in Vinylform, dafür war ich allerdings zu geizig.


PLATZ 17 - CRIPPLED BLACK PHOENIX - BRONZE

 

01. Dead Imperial Bastard (4:59)

02. Deviant Burials (6:45)

03. No Fun (4:53)

04. Rotten Memories (3:10)

05. Champions Of Disturbance (Pt 1&2) (9:02)

06. Goodbye Then (5:22)

07. Turn To Stone (7:04)

08. Scared And Alone (8:58)

09. Winning A Losing Battle (9:14)

10. We Are The Darkeners (7:53)

11. A Future Shock [Bonus Track] (5:51)

12. Denisovans [Bonus Track] (3:14)

"Bronze" ist bereits das sechste Studioalbum von Crippled Black Phoenix, rechnet man die EPs hinzu, die allesamt durchaus Albumlänge hatten, ist es sogar schon das zehnte. Bei Crippled Black Phoenix blicke ich nie so recht durch, wer da jetzt gerade alles so spielt, letztlich nehme ich die Band eigentlich eher als Justin Greaves mit wechselnden Mitmusikern war - mehr Kollektiv als Band. Wobei Sänger Daniel Änghede nun immerhin schon seit 2012 mit an Bord ist.

"Bronze" ist meiner Meinung nach die stärkste Platte der Band seit der 2010er EP "I, Vigilante".  Nach den beiden guten, aber teilweise auch recht langatmigen letzten Alben schafft die Band es hier, über die gesamte Spieldauer die Spannung zu halten. Zudem setzt man mehr auf Atmosphäre und Gesamtwirkung. "For Fans of Pink Floyd, Neurosis and Mogwai" steht auf dem Aufkleber, der die Schutzhülle der LP ziert. Was zunächst einmal nach einer recht gewagten Mischung und willkürlichen Quatschaussage klingt, trifft die Sache aber tatsächlich eigentlich ziemlich auf den Punkt:

Gerade an Pink Floyd habe ich beim Hören von "Bronze"  mehr als einmal denken müssen, gemeint sind hier die Floyd so ca. zu Zeiten von "Animals". Die Atmosphäre ist da schon nicht unähnlich.  An Neurosis erinnern aber ebenso Teile der Musik, denn das Album ist zwischendurch durchaus recht heavy ausgefallen. Und Mogwai mit ihren hypnotischen, sich oft steigernden Songaufbauten haben bei "Bronze" wohl ebenfalls Pate gestanden.

Insgesamt wirkt das Album aufgrund der meist fehlenden Hitmelodien mehr wie ein einziger, großer Song. Die Übergänge zwischen den Songs sind oft fließend, Pausen nimmt man nicht unbedingt bewusst wahr. "Bronze" ist ein Album zum sich treiben lassen und wegdriften - ich mag sowas ja sehr gerne. 

Das sehr schicke Doppelvinyl kommt im Klappcover. Ich habe die Ausgabe in Clear Vinyl, wobei das hier eher so die Richtung von Milchglas meint. Allerdings muss ich leider kritisieren, dass die Platte gerade an den zahlreichen ruhigen Stellen oft knackt, und das auch regelmäßig und ziemlich laut. Anfangs dachte ich sogar, meine Nadel wäre hinüber, aber es ist tatsächlich die Platte. Ob ich da einfach Pech hatte oder ob das überall so ist, weiß ich nicht. Meiner Ausgabe liegt noch eine Bonus-7" bei, die zwei zusätzliche Songs enthält. Diese sind beide okay bis gut, reichen aber für mich nicht ans eigentliche Album heran. Ich habe direkt beim Label bestellt  (Season of Mist), da gab es dann einen Download-Code via Mail, der Platte selber liegt allerdings keiner bei. Wie das ist, wenn man sie im Laden oder bei amazon kauft, weiß ich daher nicht. Aufgrund dessen und aufgrund der wirklich nicht gerade tollen Soundqualität des Vinyls würde ich daher Neukäufern wohl eher zur CD-Version raten.

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