2016 in Alben - Platz 16 bis 13

Weiter geht die lustige Hitparade der besten Alben 2016 - ich präsentiere meine Plätze 16 bis 13.


PLATZ 16: MOONSORROW - JUMALTEN AIKA

 

01. Jumalten Aika (12:42)

02. Ruttolehto (incl. Päivättömän Päivän Kansa) (15:19)

03. Suden Tunti (7:05)

04. Mimisbrunn (15:54)

05. Ihmisen Aika (Kumarrus Pimetyeen) (15:59)

Die mächtigen Moonsorrow aus Finnland- nachdem ich mich nun fünf Minuten bemüht habe, die Songtitel hoffentlich fehlerfrei abzuschreiben, kann ich mich endlich meinem Platz 16 widmen. Es könnte genausogut Platz 8 oder 12 sein, dieses Jahr liegt mal abgesehen von den ersten beiden Plätzen alles verdammt dicht zusammen und die Einteilung ist hier ziemlich tagesformabhängig. 

Moonsorrow hatten für meinen Geschmack auf ihren letzten paar Releases ein bißchen geschwächelt. Irgendwie schien die Band in einer kreativen Sackgasse zu stecken. Die Luft war raus und die Klasse solcher Meisterwerke wie "Kivenkantaja" oder "Verisäkeet" wurde einfach nicht mehr erreicht. Möglicherweise sah die Band das genauso und hat sich aus diesem Grund eine längere Pause verordnet. Immerhin fünf Jahre sind seit der letzten Platte "Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maassa" (puh...) ins Land gezogen. 

Um es gleich vorwegzunehmen: Die Pause hat Moonsorrow gut getan und sie sind mit alter Stärke zurück. "Jumalten Aika" ist meiner Meinung nach die beste Scheibe der Band seit dem 2005er Album "Verisäkeet".  - Was ist anders?

Stilistisch eigentlich nicht viel - aber die Songs stimmen eben wieder. "Jumalten Aika" kommt insgesamt allerdings wieder deutlich melodiöser daher als die letzten Alben. In Songs wie "Ruttolehto"  kommen auch wieder ausgiebige Wikinger-Chöre zum Einsatz, früher ein Markenzeichen der Band, aber zuletzt etwas vernachlässigt. Der Black Metal-Anteil wurde auf dem neuen Album zugunsten von mehr Melodie und Epik zurückgefahren und das steht der Band meiner Meinung nach verdammt gut. Das bedeutet natürlich nicht, dass auf "Jumalten Aika" nun schmieriger Trinkhornkitsch und Bontempi-Drachenboot-Metal das Bild bestimmen. Dafür gibt es andere Bands. Moonsorrow sind immer noch Moonsorrow und das heißt, sie sind immer noch wild, immer noch ungestüm, Ville Sorvali kreischt immer noch wie ein Geisteskranker herum und die Band zieht immer noch eine Soundwand hoch, die einen schlichtweg überrollt. Aber an den richtigen Stellen nehmen sie das Tempo raus. Bestes Beispiel ist erneut "Ruttolehto", in dessen zweiter Hälfte der Metal für einige Zeit komplett verstummt und melodische Gesänge ertönen, während im Hintergrund ein Gewitter wütet. Aus diesem Part leiten Moonsorrow dann über in einen langsamen Teil mit Tausendmannchor, bevor sie urplötzlich das Tempo anziehen und schwarzmetallisch daherrasen. Die Definition von Dynamik. So muss das sein und das gilt im Prinzip für das ganze Album. 

Vier Songs à ca. einer Viertelstunde plus das für Bandverhältnisse sehr kurze "Suden Tunti" stehen auf "Jumalten Aika". 

Es ist schön, Moonsorrow wieder zurück zu wissen. Man kann mich mit diesem ganzen Wikingerkram in aller Regel um den Block jagen, aber diese Band bildet die große Ausnahme. Besser und beeindruckender als bei Moonsorrow ist epischer und trotzdem aggressiver Heavy Metal nicht machbar. Schön, dass sie wieder da sind.

Dem schicken Doppel-Vinyl im Gatefold hat Nuclear Blast netterweise das komplette Album auf CD als Bonus beigelegt, außerdem gibt es englische Übersetzungen der Texte - die finnischen sind aber natürlich auch dabei, logo.

 


PLATZ 15: EMMA RUTH RUNDLE - MARKED FOR DEATH

 

01. Marked For Death (3:59)

02. Protection (4:58)

03. Medusa (5:19)

04. Hand Of God (4:34)

05. Heaven (5:09)

06. So, Come (4:24)

07. Furious Angel (4:15)

08. Real Big Sky (5:53)

Emma Ruth Rundle ist eine amerikanische Sängerin und Gitarristin, die im letzten Jahr ihr drittes Solo-Album "Marked For Death" veröffentlichte. Zuvor war Rundle an den Bands Nocturnes und Marriages (mir beide bislang nicht bekannt) beteiligt und außerdem auf dem  tollen "The Fear Is Excrutiating, But Therein Lies The Answer" der Red Sparowes zu hören.

Nun ist sie seit einigen Jahren solo unterwegs. Wie sie selber sagt, liegt Folk ihr sehr am Herzen, was man ihrem Solowerk bisweilen auch anhört. Allerdings bieten die Alben - so auch "Marked For Death" - einiges mehr.  Die Musik ist in erster Linie eins: Düster. Ob Emma Ruth Rundle dabei ruhige Töne anschlägt wie in "Heaven" , oder ob sie mit Bandunterstützung in Songs wie "Protection" oder "So, Come" wesentlich lauter wird, ist dabei erstmal zweitrangig. In erster Linie ist sie einfach eine Songwriterin. Der Vorgänger "Some Heavy Ocean" war insgesamt ruhiger gehalten als das neue Album, auf dem die elektrischen Gitarren und auch das Schlagzeug eine gewichtigere Rolle einnehmen. Auch eine Violine gibt es hier und da zu hören.

Die Musik auf "Marked For Death" ist wie gesagt düster und wenig farbenfroh, dabei sind die meisten Songs aber durchaus eingängig und haben tolle Widerhakenmelodien, die sich festsetzen und die im Gedächtnis bleiben. 

Die Musik ist meist mit sehr viel Hall unterlegt, was das Ganze zum einen sehr räumlich wirken lässt und zum anderen die düstere Atmosphäre noch verstärkt. Das gilt vor allem für die Gitarren. Bisweilen klingt "Marked For Death" fast wie in einer großen Kathedrale aufgenommen.

Emma Ruth Rundle verfügt zudem über eine tolle Stimme. Diese ist zuerst fast ein wenig unauffällig, aber mit zunehmender Spielzeit nimmt sie einen immer mehr gefangen und lässt einen nicht mehr los - und das ist wiederum auch symptomatisch für das ganze Album. Eine gewisse Reinhörzeit braucht man schon, dann aber entfaltet "Marked For Death" seine ganze Pracht und Schönheit. Ein tolles Album einer wirklich interessanten Künstlerin.

Dem (tatsächlich) klaren Vinyl liegt ein Download-Code bei.

 


PLATZ 14: WOVENHAND - STAR TREATMENT

 

 01. Come Brave (4:01)

02. Swaying Reed (5:59)

03. The Hired Hand (4:14)

04. Crystal Palace (4:40)

05. Crook And Flail (4:31)

06. The Quiver (4:35)

07. All Your Waves (7:55)

08. Golden Blossom (4:23)

09. Go Ye Light (4:50)

10. Five By Five (4:43)

11. Low Twelve ( 3:58)

Wovenhand oder Woven Hand? Ich glaube, das weiß Chef David Eugene Edwards selber nicht so richtig. Auf ihrem aktuellen Album "Star Treatment" nennen sie sich aber Wovenhand.

Ich muss gestehen, dass diese Band bislang bei mir eher unter 'Ferner liefen' abgelegt war. Was das Schaffen von Edwards betrifft, war ich vor allem Fan seiner ehemaligen Band 16 Horsepower und da vor allem des Albums "Secret South". Wovenhand jedoch fand ich immer ganz gut, habe mich aber nie wirklich intensiv mit ihnen befasst. Das änderte sich letztes Jahr beim Besuch des Livekonzerts der Band in Amsterdam (am Rande bemerkt: Vorgruppe war an diesem Abend übrigens Emma Ruth Rundle...), bei dem mich Edwards und seine Mannschaft tatsächlich komplett wegbliesen und mein persönliches Konzert des Jahres 2016 ablieferten. Wovenhand live ist eine wirklich außergewöhnliche Erfahrung, was natürlich in erster Linie an David Eugene Edwards liegt. Dieser Mann verfügt über eine solche Ausstrahlung, dass man gar nicht anders kann, als sich davon mitreißen zu lassen. Zudem geht er dermaßen in seiner Musik auf, wie ich es selten bei einem Musiker gesehen habe, zum Teil wirkt er völlig entrückt, tanzt wie hypnotisiert über die Bühne oder versucht durch irgendwelche schrägen Gesten seine Botschaft rüberzubringen. Er wirkt dabei teilweise durchaus so, als würde er ganz gehörig Nebenluft ziehen, aber wenn er sich dann am Ende lächelnd und winkend von seinen Fans verabschiedet, merkt man wieder, dass er ganz genau weiß, was um ihn herum passiert.

Edwards' Leben ist ja sehr religiös geprägt, da er in der Gemeinschaft der Nazarener aufwuchs und mit seinem Großvater, einem Wanderprediger durchs Land zog. Dass das Einfluß auf einen Menschen hat, sollte klar sein und so ist Edwards wohl bis heute ein sehr religiöser Mensch, was er auch in seine Musik und Texte einfließen lässt. Allerdings verzichtet er dabei dankenswerterweise auf Neal Morse-artige plumpe 'Praise Jesus!'-Erlöserlyrik, sondern spricht mehr in Metaphern und Verklausulierungen und bietet auch durchaus Tiefgang und Denkansätze - und daher macht mir das auch genau nichts aus.

"Star Treatment" , sein aktuelles Album (immerhin schon das achte reguläre von Wovenhand) ist eine Wahnsinnsplatte, die ich letztes Jahr sehr oft gehört habe und die mir bis heute bei jedem neuen Hören wieder noch ein bißchen besser gefällt. Wovenhand verarbeiten Einflüsse aus dem alternativen Country, Americana, Folk Rock und einfach klassischer Rockmusik. Dazu kommt Edwards völlig eigenständige, sirenenartige Stimme. Diese Einflüsse werden zu einem Mix verquirlt, der genau wie Edwards selber manchmal an der Tür zum Wahnsinn klopft, diese auch mal öffnet, sie aber nicht durchschreitet. Hypnotisch, einlullend, unwirklich, intensiv, dann im richtigen Moment ausbrechend, dabei unfassbar mitreißend und Barrieren einreißend. All das sind Attribute, die auf Wovenhand und "Star Treatment"  zutreffen, und doch reichen diese nicht aus, um die Musik wirklich umfassend zu umschreiben - vermutlich muss man sie einfach gehört haben.

Das Vinyl kommt als Doppel-LP, was bei einer Spielzeit von ca. 54 Minuten natürlich ein häufiges Aufstehen erfordert. Das ist der einzige Knackpunkt an "Star Treamtent" - wirklich in Ruhe hören fällt deswegen schwer. Da aber auch hier ein Download-Code dabei ist, kann man sich natürlich auch die digitale Version anhören und dabei die maschinengeschriebenen Texte mitlesen.

 


PLATZ 13 - ANGEL OLSEN - MY WOMAN

 

01. Intern (2:45)

02. Never Be Mine (3:39)

03. Shut Up Kiss Me (3:21)

04. Give It Up (2:54)

05. Not Gonna Kill You (4:55)

06. Heart Shaped Face (5:32)

07. Sister (7:44)

08. Those Were The Days (4:16)

09. Woman (7:32)

10. Pops (4:41)

Angel Olsen - der Name sagte mir bis vor wenigen Monaten rein überhaupt nichts. Durch den Tipp eines guten Menschen wurde ich dann allerdings auf die Dame aufmerksam, die mit "My Woman"  2016 bereits ihr viertes Album veröffentlicht hat. 

"My Woman" wirkt irgendwie ein wenig aus der Zeit gefallen, gerade zu Beginn wirkt es für mich beinahe, als wäre es bereits an die 50 Jahre alt. Dabei wird Angel Olsen in drei Tagen selber gerade mal 30. Die ersten Songs sind kurz, eingängig, einfach völlige Hits und klingen ein wenig wie klassischer Rock 'N' Roll (allerdings ohne dessen Wildheit), der mit Countryeinflüssen aufgepeppt wurde. 

Mit zunehmender Spielzeit wird die Platte aber ruhiger, die Songs länger und ausschweifender, flächiger. Interessanterweise bekommt Angel Olsen das völlig ohne Bruch hin. Die Platte wird einfach ab ca. "Not Gonna Kill You" / "Heart Shaped Face" Stück für Stück ruhiger und sanfter, dabei aber kein bißchen weniger intensiv - eher im Gegenteil. Dieser Albumfluß, diese schleichende Entwicklung ist mir zu Beginn gar nicht bewusst aufgefallen, was wohl dafür spricht, wie gut das gemacht ist. Mit zunehmender Spielzeit gewinnt "My Woman" jedenfalls immer mehr an Melancholie. Angel Olsen schafft es jedoch, die Hitdichte des Albumbeginns aufrecht zu erhalten. Zwar haben Songs wie "Woman" oder "Sister" allein aufgrund ihrer Länge von je über sieben Minuten nicht wirklich Radioformat, rein von ihren Ohrwurmmelodien her aber eben schon. 

Jetzt ist 'Radio' zumindest in meiner Welt ein eher negativ besetzter Begriff. Zu lange war ich auf der Arbeit den über Jahre hinweg immer gleichen Heavy Rotations des WDR ausgesetzt - das mit den Radioqualitäten von "My Woman" meine ich dennoch als Kompliment - man kann es vielleicht so verstehen, dass in einer besseren Welt Musik wie die von Angel Olsen im Radio laufen würde und nicht die von den Leuten, die halt in unserer Welt dort läuft. 

Zudem hat das Album durchaus auch Ecken und Kanten. So gut ein Song wie "Not Gonna Kill You" ins Ohr geht, so kratzbürstig ist er auch. Allein das Gitarrensolo, das schön schrammelig daherlärmt, sorgt für eine gewisse Rauheit an der Oberfläche. Oder "Sister" - was als Ballade beginnt, steigert sich im Verlauf langsam immer mehr und ist am Ende beinahe schon Hard Rock. 

Was für das Album im gesamten gilt, gilt auch für die Songs in einzelnen: Angel Olsen hat ein unglaubliches Gespür, Musik fließen zu lassen, einen Strom zu erzeugen, in den man sich legen und treiben lassen kann. Und die Hitdichte der Platte liegt tatsächlich bei 100%. Erwähnenswert finde ich noch den Song  "Those Were The Days" - Olsen erinnert mich hier sehr an Julie Cruise und auch der Song als solcher wirkt direkt wie aus dem Twin Peaks-Roadhouse entsprungen. Das ist selbstverständlich als riesiges Kompliment zu verstehen. 

"My Woman" ist ein wirklich tolles, sehr intensives Album und eine unbedingte Empfehlung an jeden, der etwas mit Singer/Songwriter-Musik anfangen kann. Das farbige Vinyl kommt in einer Art halbtransparentem, dunklen Violett - leider ist das auf dem Foto nicht wirklich zu erkennen - sieht aber super aus. Und ja, ich stehe auf so einen Scheiß. Ein Download-Code ist auch bei diesem Album vorhanden.

 

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