Erstschläge Part 1: A Storm Of Light - And We Wept The Black Oceans Within (2008)

Die dritte und wohl vorerst letzte Reihe, die ich hier einführen will, hört auf den schönen Namen "Erstschläge" - der Titel ist im Grunde selbsterklärend: Hier soll es um Debütalben gehen, die mir in irgendeiner Wiese am Herzen liegen, was besonderes sind oder sonstwie (persönlichen) Legendenstatus erreicht haben. Den Anfang macht heute "And We Wept The Black Oceans Within" von A Storm Of Light.

Hinter dem Bandnamen A Storm Of Light steht Josh Graham, der wiederum kein unbeschriebenes Blatt ist - Graham ist auf diversen Veröffentlichungen von Battle Of Mice zu hören, hat bei Red Sparowes gespielt und war zudem viele Jahre lang zuständig für Artworks und vor allem die Multimedia-Einsätze bei den Livekonzerten von Neurosis.

Mit seiner eigenen Band  A Storm Of Light hat Graham es inzwischen bereits auf vier Alben gebracht, wobei das Debüt meiner Meinung nach bis heute ungeschlagen ist und die Formkurve der Band leider auch mit jedem neuen Album weiter abwärts zeigte. "And We Wept The Black Oceans Within" jedoch ist ein kleines Meisterwerk und soll hier heute einmal angemessen gewürdigt werden.

01. Adrift (The Albatross I) (1:47)

02. Vast And Endless (7:26)

03. Black Ocean (9:10)

04. Thunderhead (7:53)

05. Undertow (The Albatros II) (3:15)

06. Mass (8:04)

07. Leaden Tide (7:49)

08. Breach (The Albatross III) (2:06)

09. Descent (5:00)

10. Iron Heart (10:19)

 

Die weiter oben genannten Referenzbands geben natürlich bereits einen Hinweis darauf, wohin die Reise bei A Storm Of Light gehen könnte. Und in der Tat gibt es auf "And We Wept The Black Oceans Within" Neurosis-artigen Sludge/Crust/Post/Doom/Was-auch-immer-Metal zu hören, der stilistisch am ehesten in deren "A Sun That Never Sets" / "Given To The Rising" -Gefilden beheimatet ist.

Größter Unterschied zu Neurosis dürfte neben der stärkeren Fokussierung auf Ambient-Parts vor allem Josh Grahams Gesang sein, der im Gegensatz zu Neurosis weniger aggressiv und wütend, dafür heiserer, kaputter und resignierter rüberkommt. Die Einflüsse der zu diesem Zeitpunkt Noch-Arbeitgeber Grahams sind zwar deutlich zu hören, dennoch spielen A Storm Of Light auf diesem Album Musik, die eigenständig genug ist, um sich von den Vorbildern abzuheben und für sich allein zu stehen.

 

Die Musik ist die ganze Zeit über schleppend, langsam und düster, zieht einen sozusagen hinab ins auf dem Cover abgebildete kalte  Meer, wo man dann wahlweise erfrieren oder ertrinken kann, was eben gerade schneller geht.  Es gibt keinen einzigen Tempoausbruch auf dieser Platte, es wird lediglich zwischen verschiedenen Formen der Langsamkeit variiert. Dadurch entsteht eine ungute, wirklich finstere Atmosphäre, die einen wirklich gefangen nehmen kann, wenn man sich darauf einlässt. 

Dazu passt auch Josh Grahams raue, heisere, gleichzeitig aber sonore und beinahe warme Stimmlage, die die finsteren Songmonolithen perfekt ergänzt und oftmals eher wie ein zusätzliches Instrument wirkt.

Das Artwork, der Name des Albums und auch einige Songtitel machen bereits klar: Hier geht es um ein maritimes Thema - damit hat man bei mir sowieso von vorneherein einen Stein im Brett, darauf stehe ich und finde es grundsätzlich interessant. Das Thema dieses Albums ist der Walfang. Da kann man nun natürlich aufschreien und das für ganz furchtbar halten, allerdings lohnt es sich durchaus, sich ein bisschen tiefer in das Konzept und die Texte des Albums einzulesen - schnell wird klar, dass hier eine durchgehende Geschichte erzählt wird.

Die Texte lassen sich eigentlich nur auf eine Weise deuten - und das ist die, dass die Story aus Sicht des Schiffes auf dem Frontcover erzählt wird. In meiner Vorstellung heißt das Schiff "Albatross", passend zu den drei gleichnamigen Ambient-Stücken, die das Album zwischendurch etwas auflockern. Anders macht es für mich eigentlich keinen Sinn - Allerdings ist das auf dem Cover abgebildete Schiff, die Hvalur 8 RE388 ein real existierendes isländisches Walfangschiff, wie man zum Beispiel auf diesem Foto sehen kann.

Dieses Schiff ist bereits seit 1948 im Einsatz und es existiert offenbar bis heute. Letztlich egal - jedenfalls wird die Geschichte aus Sicht des Schiffes erzählt, das innerhalb der Songs tatsächlich als Ich-Erzähler fungiert und eine eigene Persönlichkeit hat.

Grob kann man es so zusammenfassen, dass die Albatross während ihrer Einsätze mehr und mehr an dem Leid und dem Elend verzweifelt, dass die Menschen den Walen und der Natur mit ihrer Hilfe antun - und so schließlich beschließt, absichtlich zu havarieren, unterzugehen und die Besatzung ertrinken zu lassen. 

Das klingt jetzt zwar vordergründig erstmal nach Eso-Öko-Kitsch, ist aber auf "And We Wept The Black Oceans Within" einfach nur überragend umgesetzt und letztlich ja dann auch wieder "nur" ein Aufhänger, um auf den Mist hinzuweisen, den die Menschheit diesem Planeten so antut.

Weiter oben habe ich ja schon die zwischendurch eingestreuten Ambient-Tracks erwähnt. Diese ziehen sich wie ein roter Faden durch das Album, man hört Wellenrauschen, Wind, generell Geräusche, die es eben auf einem Schiff gibt, in "Breach" auch den Notruffunkspruch und das verzweifelte Geschrei der havarierten Mannschaft, unterlegt von düsteren Keyboard- oder Schlagzeugklängen. Auch "Descent" ist ein rein instrumentales Ambient-Stück, eben die Vertonung des eigentlichen Untergangs, wie der Titel ja nahelegt.

Diese Stücke tragen sehr viel zur Gesamtatmosphäre der Platte bei und bringen zudem auch etwas Abwechslung rein.

Viel Licht gibt es nicht auf "And We Wept The Black Oceans Within", das Album ist schon eine sehr finstere und auch zähe Angelegenheit. Zwar gibt es zum Beispiel in "Mass" oder "Leaden Tide" durchaus einprägsame Riffs und Melodien, generell ist das Album aber klar auf Gesamtatmosphäre ausgelegt und funktioniert für mich einzig und allein vollständig und am Stück.

 

"And We Wept The Black Oceans Within" ist meiner Meinung nach  ein wunderbares Beispiel für das Gesamtkunstwerk Album. 

Hier ergänzen sich Musik, Texte und Artwork auf schon fast beispiellose Weise zu einem großen Ganzen. Jeder Teil ist wichtig und hört man das Album zum Beispiel unterwegs oder auf Spotify, anstatt mit dem tollen Artwork in der Hand auf dem Sofa zu sitzen, so fehlt tatsächlich etwas. Für mich ein ganz besonderes Album und ein großartiges Debüt, an dessen Klasse A Storm Of Light danach leider nicht mehr herangekommen sind, auch wenn der Zweitling "Forgive Us Our Trespasses" ebenfalls Pflichtprogramm ist. 

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