Type O Negative - Ein Denkmal in Grün

Eine beliebte Beschäftigung von mir ist es in letzter Zeit, von einer bestimmten Band sämtliche in der Sammlung verfügbaren Songs in einen Ordner zu packen, diesen auf einen USB-Stick zu ziehen und dann die Songs beim Autofahren alphabetisch durchzuhören. Da entdeckt man so manche Perle wieder oder stellt auch mal fest, dass nicht immer alles Gold ist, was die Lieblingsbands im Laufe der Zeit so veröffentlicht haben. Die letzte Band, mit der ich das gemacht habe waren Type O Negative.

Und da wuchs relativ schnell die Erkenntnis, dass ich dieser Band hier dringend einmal ein Denkmal errichten muss. 

Jedoch wollte ich mich nicht auf eine bestimmte Platte festlegen, zumal es von der Band weder ein typisches Schmuddelkind-Album noch eine zu Unrecht im Schatten vergessene Perle gibt. Schnell stellte ich auch fest, dass die Band eigentlich durchgehend hohe Qualität veröffentlicht hat. Gut, es gibt nur sechs Alben (bzw. sieben, zählt man das Fake-Livealbum „The Origin Of The Feces“ mit), aber diese sind eigentlich durchgehend auf einem unglaublich hohen Niveau – bei aller Verschiedenheit der Platten untereinander. Zeit also für eine umfassende Huldigung des Gesamtwerkes.

Wie bei vielen, die in den Neunzigern musikalisch sozialisiert wurden, war auch mein Einstieg ins Schaffen von Type O Negative natürlich die beiden Hits vom zweiten Album „Bloody Kisses“„Christian Woman“ und „Black No. 1“ – logischerweise stilecht in den Vier-Minuten-MTV-Versionen, klar.

Ich weiß noch, wie mir ein Schulfreund damals die „Bloody Kisses“ auslieh mit dem Hinweis, „Black No. 1“ sei eigentlich über elf Minuten lang. Ich konnte mir natürlich überhaupt nicht vorstellen, wie man einen perfekten Song um ganze sieben Minuten auf die fast dreifache Länge aufpumpen können sollte, ohne dabei zu langweilen oder überflüssige Parts einzubauen, aber nach einem Durchgang war klar: Es geht. Der Rest ist dann Geschichte, ab jetzt hatte ich die Band in mein Herz geschlossen und war Fan. Besonders natürlich von Peter Steele, seinem Gesang, seinen Interviews, seinem Humor. Bis zum Schluß hatte Peter in jedem Interview etwas Interessantes zu erzählen, verfügte über einen genialen Humor, der mein Humorzentrum mitten ins Schwarze traf. Ein außergewöhnlicher Frontmann und Sänger, der 2010 mit nur 48 Jahren starb und so das Ende der Band besiegelte. Steele war einer der wenigen Fälle, bei denen mich der (frühzeitige) Tod eines Musikers wirklich berührt hat und der in meinem Empfinden wirklich eine Lücke riss.

Aber kommen wir doch mal zur Musik von Type O Negative:

1991 markierte das Erscheinen des Debüts – „Slow, Deep And Hard“. Ein Album wie ein Vorschlaghammer ins Gesicht. Wütend, geradezu hasserfüllt, voll von Verachtung, Wut und Zorn, auf der anderen Seite aber auch ein Manifest der Schmerzen. Subtil geht jedenfalls anders und ich glaube, es gibt keine andere Band, der ich einen Text wie „Prelude To Agony“ verziehen hätte. „Unsuccessfully Coping With The Natural Beauty Of Infidelity“ schlägt in die gleiche Kerbe, in beiden Songs rechnet Steele auf komplett asoziale Weise mit einer Frau ab, die ihn offenbar verlassen bzw. betrogen hat. Wie ein waidwundes Tier brüllt Steele sich durch diese Songs, stößt übelste Beschimpfungen aus und ergeht sich in schlimmen Gewaltphantasien, die eigentlich überhaupt nicht gehen, dazu gibt‘s natürlich feinstes Alphamännchengehabe gepaart mit Selbstmitleid. „I’m a man but it still hurts“ brüllt er im Opener, bevor sich wieder die freundlichen „Slut! Whore! Cunt!“ – Gangshouts anschließen.

 

Eigentlich wirklich schlimm, aber zum einen nehme ich ihm ab, dass er hier wirklich vor Schmerzen schreit und zum anderen waren Type O Negative auch von Beginn an immer eine Band mit einem sehr eigenen Humor und es war nicht immer alles wörtlich zu nehmen, was sie so von sich gaben. So kann man sich auch „Der Untermensch“ schönreden, ein weiterer Song des Debüts, in dem mit Leuten abgerechnet wird, die aus Steeles Sicht dem Staat als Sozialschmarotzer auf der Tasche liegen und/oder im Park Drogen an Kinder verkaufen. Nun wird er in seiner damaligen Tätigkeit als Reinigungskraft beim New Yorker Parkamt sicher jede Menge Scheiße gesehen haben und man kann und muss den Text im entsprechenden Kontext bewerten, dennoch ist das hier alles eigentlich sehr deutlich über der Grenze. Aber ich kann mir nicht helfen: Ich brülle die „Socioparasite!“ resp. „You’re a waste of life!“-Proletenchöre dennoch jedes Mal aus vollem Halse mit.

 

Hauptsache, die Mucke knallt? Nein, zu der Fraktion gehöre ich ganz sicher nicht. Es gab für speziell diesen Song zu Recht jede Menge Gegenwind und die Band musste sich mehr als einmal in Interviews erklären. Abgesehen davon finde ich das vorgebrachte Argument, dass eine Band, die vorgeblich mit Nazi-Gedankengut sympathisiert, wohl kaum ein jüdisches Mitglied (Keyboarder Josh Silver) hätte, tatsächlich überzeugend.

Wie auch immer: „Slow, Deep And Hard“ ist musikalisch noch sehr stark im Hardcore verwurzelt, es ist das härteste Album der Band und wie jedes der ersten vier Alben ist es immer genau dann das beste überhaupt, wenn man es gerade hört. Neben allem Geballer und Geschrote gibt es aber auch immer wieder großartige, fast epische Melodien, die vor allem durch Silvers Keyboard-Arrangements entstehen. Der Abschlußtrack, das einprägsam betitelte „Gravitational Constant: G = 6.67 × 10−8 cm−3 gm−1 sec−2 ist für mich so etwas wie das versteckte Highlight der Platte. Ein wenig gezügelter und melodischer als der Rest und mit der Zeile „I built myself a nice little cage / With bars of anger and a lock of rage / I can't help asking who's got the key? / When I know damned well it's me” gelangt Steele sogar zu einer Art Selbsterkenntnis.

Insgesamt ein unfassbares Debüt, eines der beeindruckendsten aller Zeiten und wohl für immer meine Nummer Eins, wenn es darum geht, Frust abzubauen.

Kurz erwähnt sei hier „The Origin Of The Feces“, Album Nummer Zwei. Ein vorgebliches Livealbum, jedoch wurden die Songs des Debüts einfach noch einmal neu eingespielt und mit ein paar gröhlenden Freunden auf „live“ getrimmt. Wie bei einem anständigen Bootleg üblich, erhielten die Songs natürlich allesamt neue, komplett falsche Namen. Der tolle Humor der Band zeigt sich spätestens jetzt. So wird das „Konzert“ durch den Einsatz eines Bombenentschärfungskommandos unterbrochen, die „Fans“ rufen „You suck, you suck!“ zwischen den Stücken und so etwas wie Applaus gibt es erst, als der letzte Song angekündigt wird. Man muss diese Jungs doch einfach liebhaben.

 

1993 erfolgte dann mit „Bloody Kisses“ der Durchbruch. Die Hardcore-Wurzeln waren zwar noch zu hören, wurden aber deutlich zurückgeschraubt und beschränkten sich auf wenige Songs. Stattdessen gab es mit dem Titelsong, „Christian Woman“ und „Black No. 1 (Little Miss Scare-All)“ drei überlange Monstersongs, die sehr deutlich im Gothic (Metal) wilderten und dem Ganzen einen klar melodischeren und zugänglicheren Anstrich gaben, als man das vom Debüt her kannte. Mit „Summer Breeze“ gibt es zudem eine kongeniale Coverversion des Seals & Crofts-Songs aus den frühen Siebzigern. Ursprünglich wollten Type O Negative den doch arg flachen Text etwas aufpeppen, dies wurde ihnen jedoch untersagt. Der Text von „Summer Girl“, so wie das Lied dann geheißen hätte, ist aber im Internet verfügbar und wäre natürlich eine klare Verbesserung gewesen, wer mag, kann ihn ja hier einmal nachlesen.

Die beiden Hardcore-Songs „Kill All The White People“ und „We Hate Everyone” schließen noch am ehesten ans Debüt an, textlich kann man gerade den zweiten als Antwort auf die Vorwürfe, die Band sei frauen- bzw. fremdenfeindlich eingestellt, werten. Anstatt sich zu entschuldigen, zogen Type O Negative es vor klarzustellen, dass sie nicht eine bestimmte Gruppe hassen würden, sondern gleich die ganze Menschheit. Ganz ehrlich, für so etwas liebe ich diese Band. Als weiteres Highlight möchte ich das oft vergessene „Too Late: Frozen“ nennen, beinahe mein Lieblingssong von „Bloody Kisses“. Sind Anfang und Ende noch im (gemäßigten) Hardcore verwurzelt, besticht vor allem der Doom-Mittelteil mit beinahe zum Erliegen kommenden Tempo und verzerrtem Gesang, der tatsächlich so klingt, als würde der gute Mann gerade erfrieren. Ganz großer Song.

Was sich auf diesem Album auch zum ersten Mal zeigte, war die große Liebe der Band für die Beatles. „Set Me On Fire“ und „Can’t Lose You“ sind eindeutige Verbeugungen in Richtung der Fab Four, beim erstgenannten muss man eigentlich schon von einem Beatles-Stück, das diese selber nicht geschrieben haben, sprechen. „Bloody Kisses“ – ein echter Klassiker und eines der wichtigsten Alben meiner Jugend.

Es folgte der einzige Besetzungswechsel in der Geschichte von Type O Negative. Schlagzeuger Sal Abruscato wechselte zu Life Of Agony, da er mehr touren wollte. Für ihn kam Johnny Kelly, der zuvor bereits u.a. als Techniker und Busfahrer für die Band gearbeitet hatte.

1996 erschien dann das dritte Album „October Rust“, von Steele deutlich später einmal als das seiner Meinung nach beste seiner Band bezeichnet – und was das Songwriting angeht, bin ich bereit, ihm da zuzustimmen. „October Rust“ lässt den Hardcore komplett hinter sich, ist sehr melodisch, relativ leicht zugänglich, langsam, bombastisch und in großen Teilen einfach nur wunderschön. Mit der Spaßnummer „My Girlfriend’s Girlfriend“ gab es zudem einen eher ungewöhnlichen Song als erste Single zu hören, die schon etwas auf Radio-Airplay zu schielen schien.

Ansonsten erging man sich in oft sehr ausufernden Liedern, in denen oftmals eigentlich gar nicht viel passiert. Songs wie „Die With Me“, „In Praise Of Bacchus“ oder „Burnt Flowers Fallen“ bauen viel auf Wiederholungen und sich steigernden Passagen auf, werden aber trotzdem nie langweilig. Von den offensichtlichen Hits wie „Love You To Death“, „Green Man“, „Red Water (Christmas Mourning)“ oder “Wolf Moon (Including Zoantrophic Paranoia)” ja ganz zu schweigen. Melodien schichten sich hier über Melodien, jeder Song ist ein Hit und das Ganze ist einfach nur toll und zum sich hineinlegen. Allen Songs wohnt eine große Dramatik inne, hier wird geklotzt statt gekleckert und die Songs sind so detailliert ausgearbeitet und liebevoll arrangiert wie auf keinem anderen Album der Band. 

Das abschließende Zehn-Minuten-Gerät „Haunted“ mit einem im Mittelpart in ungeahnte Stimmtiefen vordringenden Peter Steele („I hate the morning....“) ist mein Favorit des Albums. Mit „Cinnamon Girl“ von Neil Young gibt es wieder eine gelungene Coverversion und die lustigen Ansagen zu Beginn bzw. am Ende des Albums zeigen einmal mehr den Humor von Type O Negative auf. Für mich tatsächlich ein perfektes Album, mir doch egal, ob das dem ein oder anderen Bollo zu kommerziell ist.

Diese Entwicklung wurde dann aber 1999 beendet. Album Nummer Vier, „World Coming Down“ erschien und es ist wohl insgesamt das sperrigste der Band. Die Texte drehten sich um Verlust und Drogensucht, zum Teil wurde es recht persönlich und vom „October Rust“-Wohlklang blieb nicht mehr viel übrig. Das Album kratzt, dröhnt und tut weh, Songs wie „World Coming Down“ oder „White Slavery“ suppen sich beinahe schon im Minustempo dahin, lediglich das etwas aus dem Rahmen fallende „Pyretta Blaze“ mit seinem fast schon fröhlichen Refrain bildet einen Kontrastpunkt. Hits gibt es in Form von „Everything Dies“ und „Everyone I Love Is Dead“ zwar auch, diese springen einem aber deutlich weniger ins Gesicht als das noch auf dem Vorgänger der Fall gewesen war. Und eine komplett unzugängliche und schräge Nummer wie „Who Will Save The Sane?“ relativiert das dann sowieso gleich wieder.

 

Zudem haben Type O Negative mit den drei Zwischenstücken „Liver“, „Lung“ und „Sinus“ drei wirklich unangenehm zu hörende „Hörspiele“ auf „World Coming Down“ integriert. Diese Stücke stellen verschiedene, mögliche Todesarten der Bandmitglieder dar, und zwar ausgelöst durch Alkohol, Nikotin oder Kokain. Ich persönlich finde speziell „Liver“ wirklich körperlich unangenehm zu hören. Steele selber konnte sich wohl „Sinus“ aufgrund des offenbar recht realistisch dargestellten Herzrasens bei der Einnahme von Kokain nicht anhören, ohne durchzudrehen. Wirklich fiese, kleine Stücke, die dem Album noch einen zusätzlichen Drift ins Unangenehme und Böse verleihen. So war die Band eben.

Mit dem genialen Beatles-Medley („Day Tripper“ / „If I Needed Someone“ / I Want You (She’s So Heavy“) setzen Type O Negative ihrer Karriere als großartige Cover-Band dann die Krone auf. Dieses Medley ist perfekt, weil es wie ein eigener Song klingt, ohne aber die Originale zu entwürdigen oder kaputtzumachen, man hört einfach, dass hier Fans am Werk sind. Speziell, wie das Tempo ganz am Ende Schritt für Schritt komplett zum Erliegen kommt bis der Song einfach anhält, beschert mir jedes Mal aufs Neue eine Gänsehaut.  Großartig ist natürlich noch das Intro "Skip It", eine elfsekündige Geräuschorgie, die nach kaputter und springender CD klingt und auf die ich beim ersten Anhören natürlich reingefallen bin. "Sucker!" schreit Kenny Hickey am Ende aus den Boxen - wohl gesprochen!

Wenn es einen Bruch im Schaffen der Band gibt, dann kommt er jetzt. 2003 erschien Album Nummer Fünf, „Life Is Killing Me“. Das Album ist großartig, aber es ist das erste, das nicht perfekt ist und ein paar Füller aufweist. Wobei „Füller“ als Wort eigentlich viel zu hart ist und Songs wie „...A Dish Best Served Coldly“ oder „IYDKMIGTHTKY (Gimme That)“ nicht gerecht wird. Aber es gibt eben erstmals kleinere Qualitätsschwankungen auf einem Album der Band. Das Album stellt zudem auch wieder einen stilistischen Wechsel dar. Es ist das abwechslungsreichste Album von Type O Negative, das Tempo ist oft ungewohnt hoch („I Don’t Wanna Be Me“, die Coverversion „Angry Inch“, „I Like Goils“) und die Songs meist deutlich kürzer als man das bisher gewohnt war.

Zudem wirkt es nicht immer so ganz aus einem Guss wie die bisherigen Alben. Dennoch hat auch dieses Album einiges an unsterblichem Material zu bieten. Mit den drei Hochgeschwindigkeitssongs habe ich einige der Highlights bereits genannt, der Titelsong ist zudem eines der besten Lieder dieser Band überhaupt und auch „How Could She?“ kann so gut wie alles. Weitere Highlights sind die beiden Pete’s Mutter („Nettie“) bzw. Vater („Todd’s Ship Gods (Above All Things“)) gewidmeten Songs. Den Tod seines Vaters hatte Steele bereits auf „Ocotber Rust“ im Song „Red Water (Christmas Mourning)“ thematisiert, hier wird das Ganze also nochmal angesprochen, diesmal hat er nicht nur nette Worte für seinen Vater übrig. Und wenn der über zwei Meter große Hüne dann im Chorus „I won’t cry! / Above all things boy – be a man!“ tatsächlich wie ein kleiner Junge leidet, dann geht das schon zu Herzen. Seine Mutter hingegen scheint Steele wie eine Heilige verehrt zu haben. Auch auf „Life Is Killing Me“ wird die Liebe für die Beatles wieder mehr als deutlich, beispielsweise durch den intensiven Sitar-Einsatz in „Less Than Zero (<0)“. Insgesamt ein weiteres tolles Album, das aber an manchen Stellen nicht 100% rundläuft.

Erneut vergingen vier Jahre, bevor Type O Negative ein letztes Mal von sich hören ließen. Mit „Dead Again“ erschien 2007 ihr letztes Album. Russisch anmutende Schrift, Rasputin auf dem Cover, Mitglieder der Zarenfamilie auf der Rückseite und in „September Sun“ und „She Burned Me Down“ gibt es sogar russische bzw. russisch anmutende Textpassagen. Was genau sich hinter diesen ganzen Hinweisen auf Russland verbirgt, weiß ich leider nicht, aber es fällt natürlich schon auf.

„Dead Again“ fiel noch einmal sehr sperrig aus, fast unnahbar. Mal abgesehen von den eingängigen Songs „Halloween In Heaven“ und „Dead Again“, die andererseits aber auch ziemliche Hardcore-Klopper sind, muss man sich die Platte schon erarbeiten, schnell ins Ohr geht hier gar nichts. Der Anfang von „The Profit Of Doom“ erinnert im Gegenteil sogar schon an Debüt- oder sogar Carnivore-Zeiten. Dreckig, räudig, häßlich. Lediglich „September Sun“ bietet eine Verschnaufpause und hier und da etwas Wohlklang. Ansonsten regieren schon eher der Lärm und die Sperrigkeit.

Mit „All Hail And Farewell To Britain“ spart man sich das beste Lied meiner Meinung nach bis zum Ende auf, eine echte Hymne mit einem reichlich verstörenden Schluss inklusive Kriegsgeräuschen und Funksamples eines erst militärisch herumbrüllenden und dann offenbar qualvoll sterbenden Soldaten. Fies. Problematisch wird es für mich bei „These Three Things“, dem einzigen Text von Type O Negative, mit dem ich nicht wirklich klarkomme. Der inzwischen zum Katholizismus übergewechselte Steele präsentiert hier ein klares Statement gegen Abtreibung und im Gegensatz zu den textlichen „Glanzleistungen“ des Debüts fällt es mir ehrlich gesagt schwer, Zeilen wie „The child is torn from the womb unbaptised / There's no question it's infanticide / I'm guilty so therefore condemned / Destroying angels must come to an end /Now in Limbo deprived of paradise not so nice” und diverse andere aus diesem Text in einen entsprechenden Kontext zu setzen oder mit ironischer Distanz wahrzunehmen.

Das hier ist aus meiner Sicht einfach üble und unreflektierte Propaganda mit der ich mich nicht identifizieren kann und die vor allem auch nicht zu dieser Band passt. Vielleicht tue ich Type O Negative damit Unrecht, aber hier wirken sie tatsächlich so, als würden sie das gesagte auch wirklich meinen. Das ist aus meiner Sicht der einzige kleine Wermutstropfen bei „Dead Again“, dem insgesamt wohl am schwersten zugänglichen Album dieser Band überhaupt. Ansonsten gibt es aber einmal mehr wenig bis nichts zu meckern. 

Hier endet die Geschichte von Type O Negative. Am 14. April 2010 starb Peter Steele an einem Aorten-Aneurysma und kurze Zeit später erklärten die verbliebenen Mitglieder Josh Silver, Johnny Kelly und Kenny Hickey folgerichtig das Ende der Band.

Peter Steele bzw. Type O Negative hinterließen eine riesige Lücke, die nicht geschlossen werden konnte und die bis heute klafft – die Band fehlt einfach.

Es war eine einzigartige Band mit einzigartiger Musik, erkennbar unter Tausenden. Keiner klang wie Type O Negative und keiner wird jemals wieder so klingen – und das ist auch gut und richtig so. Was bleibt sind sechs bzw. sieben Alben für die Ewigkeit und eine Diskographie nahezu frei von jedem Makel. Da kann man nur in Demut sein Haupt verneigen.

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