Edguy / The Unity: Live in Bochum

25 Jahre Edguy, die Rückkehr in (für Bandverhältnisse) kleine Clubs und ein zum Jubiläum passendes Best Of-Programm? Obwohl ich bei Edguy und vergleichbarem seit längerem raus bin - die alten Sachen sind eben nach wie vor geil. Also wurde die Gelegenheit genutzt, sich die Band in einem doch recht familiären Rahmen noch einmal anzusehen. 

Aufgrund meines Platzes recht weit hinten in der Zeche gibt es diesmal keine Fotos, aber ich denke, das ist verschmerzbar.

Den Anfang des Abends bestritten The Unity - vorher nie gehört, handelt es sich hierbei um ein Nebending der beiden Gamma Ray-Musiker Henjo Richter (Gitarre) und Michael Ehré (Drums), ergänzt um diverse Mitglieder der Band Love.Might.Kill., mir ehrlich gesagt ebenfalls überhaupt kein Begriff.

 

Erwartet hatte ich auf jeden Fall vorsichtshalber mal nichts, aber der Auftritt war gar nicht schlecht. Wer als Introtape den offenbar aus den 1960ern stammenden Originalsong des in unseren Breitengraden vermutlich eher durch das Trolling Saruman-Video bekannt gewordenen Superhits verwendet, hat zumindest mich erstmal automatisch auf seiner Seite.

The Unity überzeugten aber nicht nur durch Humor, sondern waren durchaus auch musikalisch ansprechend. Geboten wurde erwartungsgemäß melodischer Power Metal, wobei das Kitsch-Level erfreulich niedrig gehalten war und die Songs durchaus Wucht hatten. Dafür sorgte auch Sänger Jan Manenti (optisch eine Mischung aus Mike Portnoy und Douglas Reynholm aus "IT Crowd"), der sehr kraftvoll singt und nur gelegentlich in hohe Sphären vordringt (was ihm dann auch gleich mal nicht ganz so gut liegt). Hier und da erinnerte mich der Mann an Russell Allen. Zudem gab er sich auch sichtbare Mühe, das zu Beginn sehr reservierte Publikum mitzureißen und auf seine Seite zu ziehen. Ohnehin wirkte die Band sympathisch und für ihr ja noch relativ kurzes Dasein ziemlich gut eingespielt.

 

Die Songs von The Unity  waren durch die Bank durchaus eingängig und blieben recht schnell hängen, ich fand die meisten davon allerdings auch eine Spur zu lang, für meine Begriffe könnte hier und da noch etwas entschlackt werden. Dennoch ging alles wie gesagt gut ins Ohr. Den größten Beifall erntete aber dann dennoch der Gamma Ray-Song "Send Me A Sign", den ja Henjo Richter seinerzeit für das "Powerplant"-Album komponiert hatte. Etwas aus dem stilistischen Rahmen fiel dann der letzte Song "Never Forget", der sich im Grunde wie eine Coverversion von Journey anhörte. Lustigerweise passte Jan Manentis Gesang hier besonders gut. 

Also, eine durchaus respektable Vorstellung von The Unity, die mit ihrem Stil zwar eigentlich locker 15 Jahre zu spät dran sind, dafür aber zumindest wissen, was sie tun.

 

Setlist The Unity:

 

- Rise And Fall

- Firesign

- No More Lies

- God Of Temptation

- Close To Crazy

- Send Me A Sign

- Never Forget

 

25 Jahre Edguy also. Solche Jubiläen sind ja immer auch eine Sache der Auslegung. Was zählt man hier? Tatsächlich die Bandgründung? Erstes Demo? Gar das erste Album? Edguy entschieden sich für die erste Variante, und da sie 1992 als Schülerband gegründet wurden, sind 25 Jahre Bestehen natürlich rechnerisch demnach auch völlig richtig. Übrigens sind aus jener Zeit mit Sänger Tobias Sammet und den beiden Gitarristen Jens Ludwig und Dirk Sauer immer noch drei Mitglieder dabei. Und auch Basser Tobias Exxel und Drummer Felix Bohnke sind seit inzwischen 19 bzw. 18 Jahren Mitglieder bei Edguy

Seit die Band wirklich Erfolge feiert, ist das Line Up also stabil. Allzuoft hat man das ja auch nicht.

 

Los ging es mit "Love Tyger", einem von gerade mal zwei Songs des Abends, die ich nicht kannte, weil sie wohl neueren Ursprungs sind. 

Ich war besonders in der Zeit Ende der Neunziger bis Mitte der 2000er großer Fan von Edguy und eben auch dieser Stilrichtung. Das "Rocket Ride"-Album hatte ich 2006 noch gekauft, aber eigentlich war ich da bei dieser Art von Musik schon ziemlich raus und hatte mich in andere Richtungen entwickelt. Dennoch kannte ich bis auf das erwähnte "Love Tyger" und das später gespielte "Ministry Of Saints" tatsächlich jedes Lied und konnte einen nicht unerheblichen Teil auch mitsingen - ein klares Zeichen dafür, dass Edguy den Best Of-Rahmen dieser Tour auch wirklich ernstmeinen.

 

Die Stimmung war von Anfang an klar besser als bei The Unity und die ausverkaufte Zeche tatsächlich auch gerammelt voll. Die Leute auf der Galerie und der Treppe mussten von Sammet zwar ein paar Mal mit markigen Sprüchen ("Seit wann seid Ihr denn dabei? Seit dem ESC-Vorentscheid letztes Jahr, oder was?") extra animiert werden, doch mal mitzumachen, insgesamt feierte das Publikum die Band und die Musik aber angemessen ab.

Sammet wurde auch nicht müde zu betonen, wie cool es sei, mal wieder in einem solch familiären Rahmen zu spielen und man nahm ihm seine Freude darüber auch tatsächlich ab. Dennoch ist das natürlich schon krass. Was Edguy als kleinen Rahmen bezeichnen, nämlich eine ausverkaufte Zeche, da kommen viele Metalbands heutzutage nichtmal ansatzweise zu ihren erfolgreichsten Zeiten hin - so ist eben alles relativ.

 

Als zweiten Song ließ man direkt "Vain Glory Opera" folgen und ab da folgte Hit auf Hit und es gab im Grunde kein Halten mehr. Ohne es wirklich zu wissen, vermute ich mal, dass das 2004er Album "Hellfire Club" das erfolgreichste der Band war, denn hiervon wurden gleich ganze vier Songs gespielt, während die übrigen Alben maximal mit zwei Songs bedacht wurden. Von meinem Lieblingsalbum "Mandrake" gab es mit "Tears Of A Mandrake" sogar nur einen Song zu hören. Das war der einzige kleine Wermutstropfen für mich - gerne hätte ich hier noch "Jerusalem", "Save Us Now" oder "Painting On The Wall" gehört, vom meiner Meinung nach besten Song der Band "The Pharaoh" ganz zu schweigen. Aber irgendwas ist ja immer.

Immerhin wurde mir durch die stärkere Betonung der "Hellfire Club"-Phase mal wieder vor Augen geführt, was für ein völlig grandioser Song der Longtrack "The Piper Never Dies" eigentlich ist. Den hatte ich ehrlich gesagt so gar nicht mehr auf dem Schirm. Ein sensationell guter Song.

 

Live funktionieren für mich auch die Spaßnummern wie "Lavatory Love Machine" oder "Superheroes", die ich auf Platte schon damals eher nervig fand. Und dass Lieder wie "Babylon""Mysteria" und das den Abend beschließende "King Of Fools" absolute Genre-Highlights sind, kann ohnehin niemand bestreiten. 

Soli sind hingegen immer so eine Sache - normalerweise finde ich Soli komplett überflüssig, lediglich die Drumsoli von Rushs Neil Peart sind natürlich immer Highlights der Konzerte (gewesen). Als Felix Bohne also zu einem Schlagzeugsolo ansetzte, hielt ich das zunächst für überflüssig, erinnerte mich dann aber an sein wirklich cooles Solo auf der (ich glaube) "Hellfire Club"-Tour, bei dem er mit Darth Vader-Maske auf dem Kopf sein Solo zum Star Wars Imperial March spielte. Diesmal gab es zwar keine Verkleidung, aber nach kurzem Doublebass-Gepolter spielte er sein Solo auf die allseits bekannte Intromusik der "Game Of Thrones"-Serie. Originell und wirklich cool gemacht und darum für mich auch völlig in Ordnung. 

 

Edguy haftet seit jeher das Kasper-Image an, woran sie natürlich in erster Linie selber schuld sind. Was dabei aber oft untergeht, ist die Tatsache, wie unglaublich professionell, eingespielt und eben auch einfach verdammt gut diese Band ist. Und es ist eine wahre Freude, ihnen dabei zuzugucken. Das komplette Konzert hindurch blickte man in fünf grinsende und strahlende Gesichter, die Burschen freuten sich ehrlich und unverhohlen über die Reaktionen und hatten einen Megaspaß bei der Sache. Sympathen eben. Das gilt auch und im Besonderen für Tobias Sammet, der das Konzert mit vielen lustigen und grundsympathischen Ansagen auflockerte und dabei auch immer sehr spontan auf Dinge einging, die gerade im Saal passierten. So wurde zum Beispiel die Ballade "Save Me" nach einem Zwischenruf erst einmal unterbrochen, weil Sammet mit dem "Störenfried" diskutieren wollte, warum dieser gerade dazwischengerufen hatte. Sympathiepunkte sammelte er auch durch seine Aussage, beim Stichwort "Bochum" im Gegensatz zur restlichen Bevölkerung als erstes nicht etwa an Herbert Grönemeyer zu denken, sondern an Axel Rudi Pell, von dem er großer Fan sei. "Wenn es mit dem Planeten eines Tages zu Ende geht, dann werden am Ende die Kakerlaken noch übrig sein - und Axel Rudi Pell." 

Gegen Ende wurde dann sogar noch das Steigerlied angestimmt und (vom Publikum weitgehend alleine) gesungen. 

"Manche Dinge sind einfach genetisch drin, das kriegst Du auch nicht raus. In München spielen wir ja immer den Defiliermarsch."

Man muss ihn einfach mögen.

 

Nach einer Stunde und 45 Minuten war dann Schicht im Schacht. Setlistmäßig gab es bis auf das mir persönlich wie erwähnt zu wenig berücksichtigte "Mandrake" nichts zu meckern, der Sound war prima, die Stimmung weitgehend super und so kann man nur von einem rundum gelungenen Konzertabend sprechen - auch wenn das Atmen in der völlig überhitzten und gegen Ende weitgehend sauerstofflosen Zeche mehr und mehr zur Glückssache wurde. 

 

Setlist Edguy:

 

- Love Tyger

- Vain Glory Opera

- Mysteria

- Land Of The Miracle

- Lavatory Love Machine

- The Piper Never Dies

- Tears Of A Mandrake

- Drum Solo

- Ministry Of Saints

- Save Me

- Babylon

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- Superheroes

- King Of Fools

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