Jahresrückblick 2017 Part 3 - Die Plätze 16 bis 13

Weiter geht es mit den Plätzen 16 bis 13 in meinem diesjährigen Poll.


Platz 16: GRAVE PLEASURES - MOTHERBLOOD

01. Infatuation Overkill (3:05)

02. Doomsday Rainbows (3:41)

03. Be My Hiroshima (3:47)

04. Joy Through Death (3:50)

05. Mind Intruder (3:47)

06. Laughing Abyss (3:37)

07. Falling For An Atom Bomb (3:15)

08. Atomic Christ (4:56)

09. Deadenders (3:57)

10. Haunted Afterlife (3:04)

11. There Are Powers At Work In This World [Bonus Track] (3:33)

2013 war "Climax", das Debütalbum von Beastmilk, ein ziemlicher Überraschungserfolg. Scheinbar aus dem Nichts veröffentlichten die Finnen ein Album mit zehn gnadenlosen Ohrwürmern, angesiedelt irgendwo zwischen Punk und Wave. Kurze Zeit später wurde die halbe Besetzung ausgewechselt, man benannte sich in GRAVE PLEASURES um und brachte mit dem Album "Dreamcrash" ein sicherlich nettes, aber nun wirklich alles andere als essentielles Album heraus. Ehrlich gesagt habe ich es damals zweimal gehört und dann wieder vergessen. Und 2017 kam dann "Motherblood", Album Nummer Zwei bzw. Drei - je nach Zählweise. Und die Überraschung ist den Burschen erneut geglückt, denn "Motherblood" knüpft mehr oder weniger nahtlos an "Climax" an, so als hätte es "Dreamcrash" nie gegeben.

Jetzt könnte man GRAVE PLEASURES natürlich vorwerfen, dass ihr neues Album schon eine ziemlich berechnende Angelegenheit ist. Der veränderte Stil auf dem ersten Album unter diesem Namen kam nicht so gut an, also geht man flugs zurück zu dem, was die Leute hören wollen. Bis zu einem gewissen Grad mag das auch durchaus so sein, beurteilen kann man das als Außenstehender ohnehin nicht, aber vor allem gilt: Verdammt, es funktioniert. Natürlich ist das Überraschungsmoment nicht mehr so groß wie bei "Climax" und man wird nicht mehr so völlig unvorbereitet von "Motherblood" erwischt. Das ist aber eigentlich auch schon der einzige Unterschied. Wirklich schwächer ist das neue Album meiner Meinung nach nicht.

Auch hier gibt es zehn (bzw. elf, den CD-Bonustrack mitgezählt) Ohrwürmer, kein Song fällt deutlich ab, auf der anderen Seite sticht aber auch keiner besonders heraus. Stilistisch fällt am ehesten das recht deutlich an Joy Division angelehnte "Atomic Christ" aus dem Rahmen, ansonsten gibt es fast ausschließlich schnelle, eingängige, stets von einer gewissen postapokalyptischen Atmosphäre umwehte Songs. Apropos Apokalypse: Das wäre eventuell das einzige, was man GRAVE PLEASURES hier vorwerfen kann: Der quasi durchgehende textliche Bezug auf Atombomben, Atomkrieg, 'Mushroom Clouds' und Co. wirkt auf Dauer nicht nur etwas einfallslos sondern auch recht billig. Hier kann die Band sich beim nächsten Album gerne auch mal noch ein zweites Thema überlegen. Ansonsten habe ich an "Motherblood" trotz der eingangs erwähnten sicherlich durchaus vorhandenen Kalkuliertheit rein gar nichts auszusetzen. Lobend sei auch noch die prächtige Ausstattung der LP erwähnt, die neben dem kompletten Album auf CD auch ein richtiges Booklet im LP-Format enthält. So würde ich mir das eigentlich immer wünschen.


Platz 15: SORCERER - THE CROWNING OF THE FIRE KING

01. Sirens (5:13)

02. Ship Of Doom (9:48)

03. Abandoned By The Gods (6:40)

04. The Devil's Incubus (8:44)

05. Nattvaka (2:33)

06. Crimson Cross (6:06)

07. The Crowning Of The Fire King (8:33)

08. Unbearable Sorrow (9:54)

09. Disciples Of The Dark [Bonus Track] (6:43)

10. Bringer Of Misery [Bonus Track] (6:35)

Ich muss sagen, dass ich mit Doom Metal oftmals nur dann etwas anfangen kann, wenn er wirklich richtig schön finster ist, möglichst kaputt klingt und mich hinabführt in die tiefsten Höllenschlunde. Bei diesem 'Schönwetter-Doom', wie ihn zum Beispiel Leif Edling mit seinen 120 Bands fabriziert wird mir hingegen meistens relativ schnell langweilig. Natürlich gibt es Ausnahmen wie Black Sabbath zu Dio-Zeiten, Solitude Aeturnus, Wheel oder Krux, grundsätzlich stimmt das aber. 2017 haben SORCERER aus Schweden es allerdings geschafft, in genau diesem Bereich ein riesiges Ausrufezeichen zu setzen. Rechnet man nur die offiziellen Alben, so ist "The Crowning Of The Fire King" gerade mal die zweite Veröffentlichung dieser seit bereits fast 30 Jahren existierenden Band. Und sie stellt eine absolute Sternstunde des Epic Doom-Genres dar. 

Das kurze Instrumental "Nattvaka" nicht mitgezählt enthält "The Crowning Of The Fire King" in der regulären Version sieben Songs, und eigentlich ist jeder von ihnen ein Volltreffer. Die Entscheidung, mit dem kürzesten und bei weitem eingängigsten Stück "Sirens" einzusteigen und dem dann mit "Ship Of Doom" direkt den gewaltigsten und sperrigsten Brocken des Albums folgen zu lassen, wirkt zwar etwas merkwürdig, aber geschenkt. 

Es überzeugen wie gesagt alle Songs, drei aber stechen für mich besonders heraus. Das wäre zum einen "Abandoned By The Gods", dessen Hauptriff mich irgendwie an Metallicas "The Outlaw Torn" erinnert. Der Song walzt sich wunderbar dahin um dann im Chorus jeweils zu einer völligen Hymne zu mutieren. Heavy Metal at its very best. Das nächste Highlight wäre der Titelsong. Der düsterste Song des Albums weist ebenfalls ein grandioses Hauptriff auf, bei dem man den Einfluss von Tony Iommi nicht nur hört, sondern das dem ewigen Riffgott auch durchaus zur Ehre gereicht. Mächtig, erhaben, episch. Und dann wäre da noch "Unbearable Sorrow", das letzte reguläre Stück. Zehn Minuten lang und meiner Meinung nach durchaus auf dem Niveau von Solitude Aeturnus' "Alone", dem für mich besten Album, das dieses Genre bis heute jemals hervorgebracht hat.

"The Crowning Of The Fire King" ist zudem herausragend produziert, drückt wie nicht gescheit, klingt dabei aber stets klar und differenziert. Ein kleines Meisterstück. Die Luxusversion wartet noch mit zwei Bonustracks auf, die allerdings im Vergleich zum Hauptalbum meiner Meinung nach recht deutlich abfallen und das Niveau des regulären Materials nicht einmal ansatzweise halten können. Da das aber ja auch nur Bonussongs sind, spielt das für die Bewertung des eigentlichen Albums keine große Rolle. Ich für meinen Teil mache es nach "Unbearable Sorrow" dann einfach immer aus und dann hat es mit einer knappen Stunde auch genau die richtige Spieldauer für dieses Genre. 

SORCERER ist mit "The Crowning Of The Fire King" jedenfalls ein wirkliches Kabinettstückchen und eine Sternstunde des epischen Doom Metal geglückt. Ganz großes Kino!


Platz 14: ME AND THAT MAN - SONGS OF LOVE AND DEATH

01. My Church Is Black (2:58)

02. Nightride (2:07)

03. On The Road (4:15)

04. Cross My Heart And Hope To Die (4:55)

05. Better The Devil I Know (3:38)

06. Of Sirens, Vampires And Lovers (3:50)

07. Magdalene (3:19)

08. Love & Death (2:28)

09. One Day (3:02)

10. Shaman Blues (3:58)

11. Voodoo Queen (3:18)

12. Get Outta This Place (3:13)

13. Ain't Much Loving (5:14)

Auch wenn ich ihr letztes Album "The Satanist" durchaus gelungen fand - Behemoth waren nie so wirklich meine Band. Zuviel Mummenschanz, albernes Gepose, Getöse und Image, zu wenig Feeling, zu wenig gute Musik. Mit seinem ersten Quasi-Soloausflug "Songs Of Love And Death" geht Frontmann Adam 'Nergal' Darski aber nun einen ganz anderen Weg. Gemeinsam mit dem mir bis dato unbekannten John Porter gründete er die Band ME AND THAT MAN und brachte 2017 deren Debütalbum heraus.

"Songs Of Love And Death" ist meine ganz persönliche Gute-Laune-Platte des letzten Jahres. Dieses Album klaut schamlos bei Nick Cave, dem Johnny Cash der "American Recordings"-Phase, hier und da auch bei Leonard Cohen und angeblich auch bei King Dude, mit dessen Schaffen ich aber null verraut bin.

Das sind in zumindest drei Fällen natürlich schon ziemlich große Namen und ich möchte damit auch nicht andeuten, das ME AND THAT MAN in der gleichen Liga wie diese Herren spielen würden - viel mehr soll das verdeutlichen, in welche Richtung "Songs Of Love And Death" geht. Das Album bietet eine Dreiviertelstunde lang eine Mischung aus düsterem Country, Folk, Singer/Songwriter-Musik und Gothic. Dabei wird kein Klischee ausgelassen, das es in dieser Ecke geben könne, im Grunde sieht man das ja schon an Songtiteln wie "My Church Is Black", "Voodoo Queen" oder "Of Sirens, Vampires And Lovers"

Die beiden Herren sind alles andere als originell und das meiste, was hier passiert hat man tatsächlich so oder so ähnlich schon von anderen gehört, jedoch: Who gives a flying fuck?

Das Album macht von vorne bis hinten Spaß, es ist die perfekte Musik für einen verkaterten Sonntagnachmittag auf der Couch, ebenso für eine lange nächtliche Autofahrt oder als Hintergrundbeschallung für ein gemütliches Sit-In mit Freunden. 

Textlich und thematisch läuft man wie gesagt eigentlich auf jede Klischee-Sandbank auf, die es in den seichten Gewässern dieser Art von Musik so gibt, aber ich kann es Nergal und Porter, die sich auf dem Album den Gesang teilen und auch zu gleichgroßen Teilen für das Songwriting verantwortlich sind, einfach nicht übel nehmen. Zu sehr hört man den Spaß, den die Herren bei den Aufnahmen hatten und gerade Nergal merkt man an, dass er sich mit "Songs Of Love And Death" wohl auch einen Traum erfüllt. Endlich mal raus aus der albernen Sauron-Maske, einfach mal kein Weihrauchfass schwenken und im Bademantel den bösen Antichristen beschwören, stattdessen einfach mal er selbst sein. 

Vielleicht ist es dieses Herzblut, das  dafür sorgt, dass dieses ansonsten weitgehend untergegangene Album bei mir so gut funktioniert. Letztlich egal - rein vom Spaßlevel her kommt 2017 an "Songs Of Love And Death" für mich eigentlich nichts vorbei.


Platz 13: THE RUINS OF BEVERAST - EXUVIA

01. Exuvia (15:26)

02. Surtur Barbaar Maritime (8:51)

03. Mære (On A Stillbith's Tomb) (11:22)

04. The Pythias's Pale Wolves (14:34)

05. Towards Malakia (9:39)

06. Takitum Tootem! (Trance Extended) (7:45)

THE RUINS OF BEVERAST, das Projekt des Aacheners Alexander von Meilenwald brachte 2013 mit "Blood Vaults - The Blazing Gospel Of Heinrich Kramer" eines der meiner Meinung nach besten Extrem Metal-Alben aller Zeiten heraus. Nach der letztjährigen EP "Takitum Tootem!", die ja musikalisch in eine etwas andere Richtung ging, war ich daher gespannt, was das neue Album der Band bereithalten würde.

Vorab: Das Level von "Blood Vaults" wurde mit "Exuvia" nicht ganz erreicht, was ich aber auch nicht erwartet hatte. Die Ausrichtung der EP hingegen gab schon einen ganz guten Eindruck davon, wohin die Reise auch mit diesem Album geht: THE RUINS OF BEVERAST sind immer noch ausgesprochen finster, setzen aber deutlich mehr auf perkussive Elemente und eine stärkere Betonung von Rhythmus und Schlagzeug als bisher. Obwohl "Blood Vaults" und "Exuvia" musikalisch teilweise gar nicht so weit auseinanderliegen, so sind die Stimmungen auf beiden Alben doch schon recht verschieden. "Exuvia" klingt für meine Begriffe offener, abwechslungsreicher, insgesamt vielleicht sogar ein wenig düsterer, dafür aber nicht mehr alles so völlig niederwalzend und zertrümmernd wie sein Vorgänger - was übrigens auch an der weniger sumpfigen Produktion liegt.

Sechs Songs in fast 70 Minuten - THE RUINS OF BEVERAST nehmen sich ausgiebig Zeit, verlieren sich in Stücken wie dem eröffndenen Titelsong immer auch wieder in repetitiven, ausufernden Instrumentalpassagen, die den Hörer erst sanft umspülen, dann nach und nach gefangennehmen und am Ende hinabsaugen in den finsteren Sog, den nur wenige Bands so überzeugend hinbekommen wie eben THE RUINS OF BEVERAST.

Alexander von Meilenwald hat zudem sein stimmliches Spektrum erweitert, es gibt neben dem grabestiefen Röcheln und den klassischen Black Metal-Vocals auch deutlich mehr Klargesang als zuletzt zu hören. Größte Stärke von "Exuvia" sind aber die schon erwähnten perkussiven Elemente. Immer wieder tauchen in Songs wie "Towards Malakia" von Trommeln dominierte Passagen auf, bei denen die (zugegebenermaßen rein optisch eher an ein Opel Ascona-Airbrush-Motorhauben-Motiv erinnernden) Krieger auf dem Cover vor dem geistigen Auge zum Leben erwachen. Zudem experimentiert die Band auch mehr mit weiblichen Vocals (die Sängerin von (Dolch) ist bei zwei Liedern dabei) und in "The Pythia's Pale Wolves" ist sogar ein Dudelsack zu hören.

THE RUINS OF BEVERAST sind und bleiben eine der spannendsten Metalbands aus Deutschland und das kreative Potential Meilenwalds, der ja letztlich das einzige Mitglied der Band ist, scheint schier unerschöpflich zu sein. "Exuvia" zeigt das einmal mehr auf äußerst beeindruckende Weise. Die Aufmachung der Doppel-LP ist wie bei Ván Records üblich  äußerst hochwertig ausgefallen. Und es gibt diesmal sogar einen Download-Code, auch wenn man für diesen frecherweise stolze 2.50 Euro mehr bezahlen musste. Das wäre dann aber auch schon der einzige Kritikpunkt.

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