Schattenscheiben Part 4+5: Iommi - Iommi / Nativity in Black: A Tribute to Black Sabbath

Es ist ziemlich genau vier Monate her, dass ich hier zuletzt etwas geschrieben habe. Zu einem nicht unbeträchtlichen Teil lag das an dem nicht enden wollenden Arschlochsommer. Bei diesem Rotzwetter am PC unterm Dach zu sitzen, ist eben wenig zielführend und macht noch weniger Spaß. Es lag aber auch daran, dass ich einfach zu faul war und mir vor allem auch die Ideen fehlten. 

Nun, der Sommer ist vorbei, es ist Feiertag, ich hatte eine Idee: Also, hier bin ich wieder.

In der Reihe "Schattenscheiben", in der es ja um zu Unrecht vergessene oder untergegangene Platten geht, möchte ich mich heute gleich mit zwei Alben auf einmal befassen. Da wäre einerseits der Sampler "Nativity in Black: A Tribute to Black Sabbath" und auf der anderen Seite "Iommi", das Solo-Debüt (sieht man von "Seventh Star" einmal ab) von Black Sabbath-Legende Tony Iommi.

Wie unschwer zu erkennen ist, stellt der gemeinsame Nenner dieser beiden Platten natürlich Black Sabbath dar, die wichtigste Metalband aller Zeiten. Während es heutzutage wieder als modern gilt, den Sound der Frühwerke aus den Siebzigern möglichst exakt und ohne jede eigene Idee zu kopieren, sah das in den Neunzigern noch anders aus. Mit "Nativity in Black" versuchte sich im Grunde alles, was damals Rang und Namen hatte, an Songs der britischen Legende. Und im Jahr 2000 hievte Tony Iommi selber den Black Sabbath-Sound ins neue Jahrtausend, indem er sich wiederum mit Leuten, die für zu der Zeit angesagte Musik standen, zusammentat. Beide Alben sind für mich essentiell, beide scheinen irgendwie zusammen zu gehören, beide sind grandiose Beispiele dafür, wie man einen scheinbar angestaubten  Sound über die Jahrzehnte retten kann, ohne zu langweilen oder stumpf zu kopieren.

 

Kommen wir zunächst zu "Nativity in Black: A Tribute to Black Sabbath":

01. Biohazard: After Forever (5:46)

02. White Zombie: Children of the Grave (5:49)

03. Megadeth: Paranoid (2:31)

04. 1000 Homo DJs: Supernaut (6:38)

05. Ozzy Osbourne with Therapy?: Iron Man (5:25)

06. Corrosion Of Comformity: Lord of this World (6:24)

07. Sepultura: Symptom of the Universe (4:14)

08. Bullring Brummies: The Wizard (5:01)

09. Bruce Dickinson with Godspeed: Sabbath

      Bloody Sabbath (5:35)

10. Ugly Kid Joe: N.I.B. (5:27)

11. Faith No More: War Pigs (Live) (7:01)

12. Type O Negative: Black Sabbath (7:45)

13. Cathedral: Solitude (4:52)

Dieser Tribut-Sampler erschien im Jahr 1994, ist also bereits fast ein Vierteljahrhundert alt. Eigentlich erstaunlich, dass fast alle Bands, die hier den Göttern ihre Aufwartung machen, auch im Jahre 2018 immer noch (oder wieder) dabei sind. Dankenswerterweise stammen alle enthaltenen Beiträge im Original von den ersten sechs Black Sabbath-Alben, also dem heiligen Gral des Heavy Metal und der für mich mit riesigem Abstand besten Phase der Bandgeschichte. Jedem Song ist im Booklet ein eigenes Tarot-Karten-Design gewidmet, und es gibt jeweils ein bis zwei Sätze eines beteiligten Musikers zum eigenen Beitrag bzw. zu Black Sabbath zu lesen.

Los geht es mit Biohazard, die sich an "After Forever" versuchen. Ich kann mit Biohazard überhaupt nichts anfangen, aber mal abgesehen von dem typischen Brooklyn-Herumgeprolle zu Beginn liefern die Burschen hier durchaus eine überzeugende Vorstellung ab. Natürlich ist ein guter Song schwer kaputtzukriegen, aber ich finde, sie machen ihre Sache tatsächlich ziemlich gut. White Zombie packen "Children of the Grave" anschließend in ein typisches Zombie-Soundgewand, und dafür eignet sich dieses Lied auch einfach perfekt. Wabernde Gitarren, Rob Zombies tiefe Stimme, die typischen Horror(film)-Samples - das hier ist ein schönes Beispiel, wie man ein Stück einer anderen Band zu einem eigenen machen kann, ohne es zu verhunzen. Grandios.

Megadeth bewegen sich mit "Paranoid" recht nah am Original, legen aber eine ordentliche Schippe Tempo drauf. Ebenfalls eine gute Version.

"Wer sind denn die 1000 Homo DJs?", fragt man sich als nächstes. Hinter lustigen Pseudonymen wie Buck Satan, Ike Krull  und Officer Aggro verbergen sich in Wirklichkeit Leute von Ministry bzw. aus deren Umfeld. Den Gesang übernimmt folgerichtig hier Al Jourgensen, und die 1000 Homo DJs machen aus "Supernaut" im Grunde einen Ministry-Song, der sich tatsächlich wie eine Verbindung von "Psalm 69" (1992) und "Filth Pig" (1996) anhört, was ja anhand de Tatsache, dass der Sampler von 1994 ist, auch durchaus Sinn ergibt. Puristen dürften hiermit ihre Schwierigkeiten haben, ich muss aber sagen, dass "Supernaut" für mich zu den besten Beiträgen auf diesem Sampler zählt. Trotz aller Änderungen und Soundspielereien ist der Song immer zu erkennen und wird mit Respekt behandelt. Besser geht es im Grunde nicht.

Therapy? haben sich Originalsänger Ozzy Osbourne dazugeholt und performen "Iron Man" ziemlich nah am Original. Sie klingen etwas rockiger und nicht ganz so heavy, was dem Song aber leider nicht entgegenkommt. Und Ozzy? Der hat auch schon mal besser gesungen als er es hier tut. Sein Gesang ist (vielleicht nicht ohne Grund) auch recht leise abgemischt. Highlight ist vermutlich der Hustenanfall, den er nach seiner völlig übertriebenen "Iron man lives agaaaaaaiiiiiiiin....."-Performance hat. Naja. Kein Glanzstück.

Corrosion Of Conformity haben sich mit "Lord of this World" einen Song ausgesucht, der schon im Original als so etwas wie ein Stoner-Metal-Vorläufer bezeichnet werden kann. Der Song bekommt mehr Wahwah, mehr Siff und mehr Wüstensand verpasst. Guter, aber meiner Meinung nach nicht essentieller Beitrag.

Bei Sepultura sieht das schon wieder anders aus. Die Wahl von "Symptom of the Universe" macht natürlich Sinn, denn wenn das Lied nicht eines der ersten Thrash-Metal-Riffs enthält, die je geschrieben wurden, dann weiß ich es auch nicht. Im Sound des "Chaos A.D."-Albums wüten sie sich durch das Lied, bei dem besonders Igor Cavalera glänzen darf, seine Drumrolls lassen Bill Ward, wenn man ehrlich ist, einigermaßen alt aussehen. Gegen Ende passt dann natürlich auch der Akustik/Tribal-Part wunderbar in den damaligen Sound der Brasilianer. Super.

"Und wer sind jetzt schon wieder die Bullring Brummies?", fragt sich der geneigte Hörer als nächstes. Ein Blick ins Booklet verrät: Mit Bill Ward und Geezer Butler ist hier die damalige Black Sabbath-Rhythmustruppe vertreten, die Gitarre bedient Doom-Legende Wino und am Gesang ist niemand geringeres als der Metal God persönlich, Rob Halford, zu hören.

"The Wizard", ein Song, der irgendwie immer ein bisschen untergeht, kommt hier endlich mal richtig zu Ehren: Etwas langsamer und eine ganze Ecke heavier als im Original gespielt und eigentlich ziemlich zeitgemäß dargeboten, vor allem wenn man sich vor Augen führt, dass die beteiligten Musiker auch damals ja schon zu den eher alten Säcken zählten. Halford erkennt man allerdings nur, wenn man weiß,  dass er es ist, für meinen Geschmack hätte er ruhig noch etwas mehr aus sich herausgehen können.

Was jetzt folgt, ist eines der absoluten Highlights dieses Samplers und dem Original nach meinem Dafürhalten mindestens ebenbürtig. "Sabbath Bloody Sabbath" ist im Original natürlich grandios, Ozzy singt hier aber meiner Meinung nach schon sehr hart an seinem Limit. Für Bruce Dickinson sind diese Tonlagen aber natürlich Alltag. Absolut grandios, wie er sich hier ins Zeug legt und mit welcher Inbrunst er seinen Gesang intoniert, ich kriege speziell in den Strophen tatsächlich Gänsehaut. Die ihn begleitenden Godspeed, eine der wenigen Bands auf diesem Sampler, die heute eher in der Versenkung verschwunden sind, machen ihre Sache ebenfalls ordentlich. Was hier mit einer richtigen Doom-Metalband zusammen mit Dickinson möglich gewesen wäre, mag man sich kaum vorstellen.

Nach Ugly Kid Joe kräht heute natürlich kein Hahn mehr, und das wohl auch völlig zu Recht. Ihr "N.I.B." ist recht nah am Original gehalten, der größte Unterschied liegt im rotznasigen Gesang von Whitfield Crane, der meiner Meinung nach aber ziemlich gut zu diesem Lied passt. Gemessen an der Tatsache, dass ich Ugly Kid Joe eher immer als alberne Quatschband wahrgenommen habe, ist "N.I.B." eigentlich wirklich überraschend gut gelungen. Kann man so lassen.

Die völlig großartige "War Pigs"-Liveversion von Faith No More kannte man bereits von deren eigenem "Live at the Brixton Academy"-Album von 1991. Diese Version ist natürlich absolut grandios, Mike Bordins Drumming ist außerweltlich gut und Mike Pattons Gesangs-Performance sowieso von einem anderen Stern. Großartigster Moment ist natürlich, wie er ohrenscheinlich komplett besoffen in der zweiten Strophe den Text vergisst und einfach nur irgendetwas daherlallt. Auch in der Studioversion von "The Real Thing" (1988) eine meiner Lieblings-Coverversionen, aber die Liveversion schlägt das nochmal deutlich.

Type O Negative sind in Sachen Coverversionen für mich die beste Band aller Zeiten. Egal, was sie an Fremdkompositionen anfassten, es wurde jedes Mal zu Gold. So auch "Black Sabbath". Dieses Lied ist vielleicht der wichtigste und beste Metal-Song der je geschrieben wurde, den kann man also nicht einfach nur nachspielen, weil man damit nur scheitern kann. Type O Negative machen aus dem Lied eine finstere Totenmesse mit einem in Grabestiefe sprechenden Hohepriester Peter Steele, Kirchenorgel und mächtigen "Ave, ave Satanas!"-Chören, die nach den Strophen eingestreut werden. Zudem spielen sie das Lied noch einmal deutlich langsamer als Black Sabbath das 1970 getan hatten. Eine unfassbare Version, für mich eine der besten Coverversionen, die je gemacht wurden.

Den Abschluss bilden Cathedral, die sich "Solitude" vornehmen, die beste, schönste und großartigste aller Metal-Balladen. Eine tolle Version, meiner Meinung nach ebenfalls dem Original ebenbürtig, es gab auch schon Zeiten, da fand ich sie sogar besser. Der Gesang ist tiefer, die Flöten etwas präsenter, ansonsten ist es im Grunde nachgespielt. Aber eben von Leuten, die wissen, was sie tun. 

So endet "Nativity in Black: A Tribute to Black Sabbath" nach knapp 70 Minuten, und für mich es ist der beste Tribut-Sampler, der jemals erschienen ist und voraussichtlich wird sich daran auch nichts mehr ändern. Es gibt keine Ausfälle, im Grunde auch keine durchschnittliche Version aber dafür umso mehr unsterbliche Beiträge. Grandios.


Nur sechs Jahre später, im Jahre 2000, brachte Black Sabbath-Gitarrist Tony Iommi sein Soloalbum "Iommi" heraus. Dieses enthielt zehn neue Songs, die von zehn Vokalisten performt wurden, denen Iommi die Lieder zum Teil auch auf den Leib geschrieben hatte. Es gibt ein paar kleinere personelle Überschneidungen zu "Nativity In Black" (Peter Steele, Ozzy Osbourne), ansonsten gab sich hier einfach alles, was 2000 Rang und Namen hatte, die Klinke in die Hand. Vermutlich sagt aber auch einfach jeder Rockmusiker freudestrahlend zu, wenn Tony Iommi ankommt und fragt, ob man nicht einen Song für ihn einsingen könne. Am Schlagzeug sind unter anderem Matt Cameron, Jimmy Copley und John Tempesta zu hören.

01. Laughing Man (in the Devil Mask) (feat. Henry Rollins) (3:39)

02. Meat (feat. Skin) (4:53)

03. Goodbye Lament (feat. Dave Grohl) (4:50)

04. Time is Mine (feat. Philip Anselmo) (4:55)

05. Patterns (feat. Serj Tankian) (4:20)

06. Black Oblivion (feat. Billy Corgan) (8:19)

07. Flame On (feat. Ian Astbury) (4:28)

08. Just Say No to Love (feat. Peter Steele) (4:26)

09. Who's Fooling Who (feat. Ozzy Osbourne) (6:09)

10. Into the Night (feat. Billy Idol) (5:01)

Das Album beginnt mit dem sperrigsten Song. "Laughing Man (in the Devil Mask)", intoniert von Henry Rollins. Der Song braucht zumindest ein paar Durchläufe, bis er sich festsetzt, Rollins' zwischen Rap und Gesang pendelnde Performance passt super zu dem sehr modern klingenden Song. Hier erkennt man noch nicht unbedingt, wer eigentlich hinter diesem Projekt steckt. Ich kenne mich mit Rollins' sonstigem Schaffen allerdings nicht aus und weiß darum nicht, inwiefern der Song vielleicht für ihn wiederum typisch klingt.

Skunk Anansie-Frontfrau Skin gibt sich im zweiten Song "Meat" die Ehre. Mit dieser Band konnte ich nicht zuletzt aufgrund des auf mich affektiert wirkenden Gesangs nie wirklich etwas anfangen, "Meat" finde ich aber super. Der Song beginnt ruhig, es gibt ein paar Sound-Spielereien, bevor im Chorus das erste mächtige Iommi-Riff ertönt, zu dem Skin dann auch mehr aus sich herausgeht. Die Parallelen zu Iommis sonstigem Schaffen sind aber auch hier noch recht überschaubar.

Dave Grohl (Foo Fighters) singt das dritte Lied "Goodbye Lament" und sitzt natürlich auch selbst am Schlagzeug. Auch die Foo Fighters zählen nicht unbedingt zu meinen Lieblingen und klingen mir meist zu beliebig. "Goodbye Lament" startet mit Drumcomputer-Sounds, die beinahe an Massive Attack erinnern, ruhig und leise singt Grohl dazu seinen Text. Das Lied nimmt dann aber recht schnell an Fahrt und Power auf, und Grohl liefert eine verdammt gute Gesangsvorstellung ab. Als Sänger ist er super, aber die Songs, die er selber schreibt, laufen halt meistens an mir vorbei. Schöne Nummer, bis hierhin der beste Song.

"Time is Mine" muss man sich tatsächlich als Black Sabbath-Song mit Pantera-Gesang vorstellen. Beim Riff ist nach zwei Sekunden klar, wer das geschrieben hat und spielt. Die Strophen, in denen Anselmo mit tiefer Stimme singt, erinnern eher an Down, in Bridge und Chorus lässt Iommi ihn dann von der Kette und Anselmo darf seine herrlich rotzigen Asi-Vocals präsentieren, für die man ihn auf Alben wie "Vulgar Display of Power" ins Herz geschlossen hat. Ein toller Song und eine nochmalige Steigerung zu "Goodbye Lament".

"Patterns" beginnt mit ein paar elektronischen Sounds über einem tiefen Keyboardteppich, bevor sich das nächste Iommi-Signature-Riff anschließt, dem man eventuell vorwerfen könnte, dem von "Time is Mine" vom Aufbau her recht ähnlich zu sein. System Of A Down-Frontmann Serj Tankian ist in diesem Song am Mikro zu hören. Auf Tankians Gesang mit diesem sehr starken Vibrato muss man schon stehen, ich tue es für gewöhnlich nicht, zumal ich bei der hektischen Musik von System Of A Down auch nervöse Zuckungen bekomme. Zum Zeitlupentempo von "Patterns" passten seine Vocals aber für mich super und komischerweise nervt er mich hier auch nicht, sondern ich halte das Lied im Gegenteil für eines der besten dieses Albums. Iommi ist hier aber auch ein richtiger Ohrwurm und Hit gelungen und die beiden Musiker harmonieren einfach prächtig miteinander.

Die Smashing Pumpkins sind die nächste Band, die ich mir aufgrund des Gesangs selten bis nie anhören mag. Billy Corgans quäkiger Gesang nervt mich regelmäßig nach maximal zwei Liedern zu sehr. Das ärgert mich selber, da ich zum Beispiel "Mellon Collie and the Infinite Sandness" für musikalisch grandios halte. "Black Oblivion", der längste Song des Albums, gefällt mir (fast wie erwartet) auch wieder besser, ich halte aber auch hier Corgans Gesang für den Schwachpunkt. Seine Stimme und mein Gehör passen einfach nicht zusammen, so etwas gibt es ja manchmal. Der Song ist sehr abwechslungsreich arrangiert, sehr düster und eigentlich auch sehr gut, aber für mich müsste ihn jemand anderes singen, damit er mich richtig packt. Chris Cornell wäre zum Beispiel ideal gewesen.

"Flame On" mit The Cult-Frontmann Ian Astbury ist dafür das nächste Highlight. Nach drei recht langsamen Liedern wird hier das Tempo nun angezogen, das Riff ist eher simpel gehalten, ganz klar eher Rock als Metal. Auffällig ist bei vielen Songs der Platte, so auch diesem, wie Iommi sich in den Strophen zurückhält und seinen Vokalisten allen Raum gibt, sich entfalten zu können. Der Chorus von "Flame On" ist dann der nächste Ohrwurm, Astbury hat eine markante Stimme und natürlich klingt alles mit ihm irgendwie nach The Cult, dass hier Tony Iommi im Hintergrund die Strippen zieht hört man wirklich maximal am Hauptriff. Super passen tun auch hier wieder die elektronischen Spielereien. Vermutlich mein Lieblingssong von "Iommi". An der zweiten Gitarre ist hier übrigens Brian May zu hören.

"Just Say No to Love" mit Peter Steele bleibt dann ein wenig hinter den Erwartungen zurück. Gerade nach der oben erwähnten göttlichen "Black Sabbath"-Version von Type O Negative hatte ich hier damals mehr erwartet. Aber so richtig mag das Lied nicht aus dem Quark kommen. Die Zutaten stimmen eigentlich, Steeles tiefe Stimme, in der Bridge singt er höher und wird gedoppelt, alles super. Der Chorus ist aber eher unspektakulär, das Riff dahinter eher Stangenware und irgendwie reißt der Song zu wenig mit. Schade. Gut ist er aber natürlich trotzdem.

Glocken leiten "Who's Fooling Who" ein, was natürlich sehr ans Intro des ersten Black Sabbath-Album erinnert. Folgerichtig singt hier auch Ozzy Osbourne. Mit für ihn tiefer Stimme intoniert er die Strophen, für mich ein richtiger Gänsehautmoment, die ehemaligen Weggefährten hier wieder vereint einen neuen Song spielen zu hören. Überhaupt ist das ganze Lied natürlich aufgrund der Stimme und der Gitarre nah an alten Black Sabbath, die Glocken tauchen immer mal wieder auf und es ist schon ein gewaltiges Augenzwinkern dabei. Im deutlich verspielteren Chorus lösen sich die beiden dann aber auch von der Vergangenheit. "Who's Fooling Who" ist in jedem Fall einer meiner Lieblingssongs des Albums. An den Drums sitzt hier übrigens Bill Ward und macht die Originalband damit beinahe komplett.

Billy Idol kenne ich nur von ein paar Hits aus den 1980ern, Musik zum davonlaufen. Bei "Into The Night" würde ich ihn demnach ohne Booklet auch gar nicht erkennen, weil ich seine Stimme überhaupt nicht auf dem Schirm habe. "Into The Night" ist zum Abschluss nochmals eine typische Iommi-Walze mit wie bei dieser Platte fast immer ruhig gehaltenen Strophen und einem eher aufbrausenden Chorus. In der zweiten Hälfte entwickelt sich "Into The Night" dann zu einem deutlich schnelleren, rotzigen Punkrock-Song, bevor man gegen Ende dann wieder im Doomtempo versackt. Schöner Abschluss eines tollen Albums.

 

"Nativity in Black" und "Iommi" - zwei Alben, über die heute eigentlich kaum noch jemand spricht, die aber tolle Platten sind und deswegen hier heute einmal etwas detaillierter vorgestellt wurden. Alben, die zeigen, dass man den Sound der Siebziger durchaus über 20, 30 oder mehr Jahre retten kann, ohne diesen frei von Ideen oder Inhalt einfach nur dreist und doof zu kopieren. Man muss es aber eben können.

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