Jahresrückblick 2018 Part 2 - Die Plätze 18 bis 16

Weiter geht es im Jahrespoll 2019. Hier sind meine Plätze 18 bis 16.


Platz 18: MANIC STREET PREACHERS - RESISTANCE IS FUTILE

  1. People Give In (3:55)
  2. International Blue (3:51)
  3. Distant Colours (3:29)
  4. Vivian (4:14)
  5. Dylan & Caitlin (3:53)
  6. Liverpool Revisited (2:31)
  7. Sequels of Forgotten Wars (4:21)
  8. Hold Me Like a Heaven (4:17)
  9. In Eternity (4:16)
  10. Broken Algorithms (3:52)
  11. A Song for the Sadness (4:20)
  12. The Left Behind (3:10)
  13. Concrete Fields [Bonus Track] (3:57)
  14. A Soundtrack to Complete Withdrawal [Bonus Track] (4:00)

Die Waliser Manic Street Preachers sind eine Konstante in meinem Dasein als Musikfan. Seit ihrem dritten Album ʺThe Holy Bibleʺ (1994) bin ich quasi 'live' dabei und verfolge die Karriere der Burschen, die sich immer wieder neu erfunden haben und sich von dreckigem Schrammelpunk bis hin zu Hochglanz-Designpop schon in so mancher Stilrichtung versuchten.

Das 2018er Album "Resistance is Futile" ist nun immerhin schon das 13. Album der Band. Anders als sonst gibt es diesmal allerdings keine allzu großen stilistischen Sprünge im Vergleich zum Vorgängeralbum "Futurology" (2014). 

Die Band bewahrt die unterkühlte, urbane Atmosphäre von "Futurolgy", fügt aber etwas mehr Bombast und Wohlklang der Marke "Everything Must Go" (1996) hinzu. Heraus kommt einmal mehr ein tolles Album, zumindest wenn man normale Maßstäbe anlegt. Im Manic Street Preachers-Kosmos ist "Resistance is Futile" allerdings eher im soliden Mittelfeld anzusiedeln. Was mit normalen Maßstäben wie gesagt immer noch ein tolles Album ist, ergo Platz 18 im Poll, mehr dann aber eben doch nicht. 

Auch diesmal sind der Band aber wieder diverse Songs für die Ewigkeit geglückt. Es beginnt mit dem zwischen Nachdenklichkeit und Aufbrausen pendelnden Opener "People Give In" und setzt sich in bombastischen Hymnen wie "International Blue" oder "Vivian" fort. Auch das mit Streichern aufgepeppte "Dylan & Caitlin", bei dem die Band gesanglich von Catherine A. Davis alias The Anchoress unterstützt wird, sowie das den Bogen zu den ganz frühen Tagen zurückschlagenden "Liverpool Revisited" sind nicht von schlechten Eltern. Mit "Hold Me Like a Heaven" gelingt den Manic Street Preachers zudem ein Song, der von derart brutaler Eingängigkeit ist, dass er mit seinem "Wohohoooo"-Chor hoffentlich inzwischen von den Cardiffer Fußballfans als Einlaufhymne für ihre Mannschaft gesungen wird. Und auch der letzte reguläre Song, das minimalistisch instrumentierte und von Bassist Nicky Wire lakonisch gesungene "The Left Behind" ist zu den Highlights auf "Resistance is Futile" zu zählen. Die übrigen Songs sind alle gut, ähneln sich aber untereinander manchmal ein wenig zu sehr.

Seit vier oder fünf Alben werden die Platten der Manic Street Preachers stets im DIN-A-5-Buchformat veröffentlicht mit einer zweiten CD, die das komplette Album noch einmal als Demoversion enthält. Und seit vier oder fünf Alben habe ich mir das noch nie angehört, so auch diesmal wieder nicht. Allerdings sind auf der zweiten CD gerne noch ein paar Bonussongs, und das ist ebenfalls bei "Resistance is Futile" wieder der Fall. Während "A Soundtrack to Complete Withdrawal" eher verzichtbar ausfällt, gehört "Concrete Fields" zu den Höhepunkten der Platte. Der ebenfalls von Nicky Wire gesungene, düstere Popsong begeistert vor allem durch sein "Seasons in the Sun"-Textzitat gegen Ende, bei dem Wire derart provokant-gelangweilt dahernölt, dass es eine wahre Freude ist und den schlimmen Hippie-Kitsch einfach schön ad absurdum führt. "We had joy, we had fun, we had seasons in the sun..." - yeah, right.


Platz 17: ALICE IN CHAINS - RAINIER FOG

  1. The One You Know (4:48)
  2. Rainier Fog (5:01)
  3. Red Giant (5:25)
  4. Fly (5:17)
  5. Drone (6:29)
  6. Deaf Ears Blind Eyes (4:43)
  7. Maybe (5:36)
  8. So Far Under (4:33)
  9. Never Fade (4:39)
  10. All I Am (7:15)

Auch Alice In Chains begleiten mich, seit ich angefangen habe, mich bewusst für Musik zu interessieren. Bis heute sind sie meine Lieblingsband aus dem Seattle-Umfeld. "Rainier Fog", ihr insgesamt sechstes Album und das dritte nach dem Neustart mit William Duvall, hatte anfangs einen ziemlich schweren Stand bei mir. Die Musik erreichte mich emotional überhaupt nicht, und die ganze Platte wirkte auf mich irgendwie schaumgebremst und vor allem eher wie eine Pflichtübung. Das hat sich dann zum Glück mit der Zeit nicht nur gelegt, sondern komplett ins Gegenteil verkehrt, und ich war zwischenzeitlich sogar der Meinung, dass "Rainier Fog" durchaus mit dem Comeback-Album "Black Gives Way to Blue" (2009) mithalten könne. Auch diese Meinung hat sich inzwischen wieder etwas relativiert. Nun sehe ich "Rainier Fog" als das, was es vermutlich ist: Als tolle Platte, der hier und da aber der letzte Funke fehlt, um ein richtig großes Album zu sein. Ergo sehe ich das 2009er Album (und die Alben mit Layne Staley ja sowieso) inzwischen schon vorne, besser als sein unmittelbarer Vorgänger "The Devil Put Dinosaurs Here" (2013), der mir zu lang und vor allem zu gleichförmig war, ist "Rainier Fog" aber in jedem Fall, und zwar spielend.

Das Album strotzt vor tollen Songs und es strotzt besonders in der ersten Hälfte auch vor Energie. Die Wucht, mit der gleich der Opener "The One You Know" über einen hereinbricht, ist schon gewaltig. Dennoch ist das erstmal ein relativ typischer Alice In Chains-Song. Der sich anschließende Titelsong zieht dann das Tempo für Bandverhältnisse ganz schön an und kommt dem Ideal eines perfekten Rocksongs schon verdammt nahe. Wie hier Melodie, Härte, Eingängigkeit und Wucht perfekt ineinandergreifen, ist beeindruckend und macht den Song zu einem Highlight der gesamten Duvall-Ära. "Red Giant" nimmt wieder Tempo raus und suppt wie Lava aus den Boxen, gerade das wabernde Riff ist großartig und drückt die Kehle ordentlich zu. So soll das sein. Abgesehen von "Drone", mit dem ich bis heute nicht wirklich klarkomme und das mir ein wenig wie künstlich auf "Dirt" getrimmt vorkommt, bleibt das Material bis zum Ende hochklassig. 

Ob melancholisch-melodisch wie in "Fly" oder "Maybe" (Gott, ist das ein schöner Song), düster-heavy wie in "Deaf Ears Blind Eyes" oder sogar auch mal mit einer beinahe positiven Schlagseite wie im verblichenen Weggefährten wie Chris Cornell oder Layne Staley gewidmetem "Never Fade" - Alice In Chains können es einfach immer noch. Nicht ganz an das Restmaterial heran reicht meiner Meinung nach "So Far Under", das auf mich ein bisschen formelhaft und auf Sicherheit komponiert wirkt. Dafür gibt es mit dem längsten Song des Albums, der finsteren Halbballade "All I Am", ganz am Ende noch einmal ein absolutes Glanzstück zu hören. Für diese ausweglos scheinende Sumpfigkeit, in der man feststeckt, während aber am Horizont irgendwo doch ganz schwach ein flackerndes Licht zu sehen ist, habe ich Alice In Chains damals schätzen und lieben gelernt. Um es ganz einfach einmal zu sagen: Das kann keine andere Band.


Platz 16: NEKO CASE - HELL-ON

  1. Hell-On (4:09)
  2. Last Lion of Albion (3:37)
  3. Halls of Sarah (3:50)
  4. Bad Luck (3:54)
  5. Curse of the I-5 Corridor (7:01)
  6. Gumball Blue (4:14)
  7. Dirty Diamond (3:39)
  8. Oracle of the Maritime (4:24)
  9. Winnie (3:49)
  10. Sleep All Summer (5:02)
  11. My Uncle's Navy (4:12)
  12. Pitch or Honey (4:27)

Auf Neko Case wurde ich vor einigen Jahren aufmerksam, als ihr Song "Hold On, Hold On" eine Szene in der Fernsehserie "The Killing" musikalisch unterlegte und mich komplett umblies. Seitdem habe ich mir viele ihrer Platten über Spotify angehört und in verschiedene ihrer sonstigen Projekte und Bands reingehört – die Diskographie der Dame ist nämlich durchaus schon recht umfangreich.

Mit "Hell-On" war es 2018 dann soweit und es wanderte endlich auch mal ein Album als Hardware in meine Sammlung. Vorab muss ich mich mal lobend zur Aufmachung dieser Doppel-LP äußern. Doppel-Gatefold, Prägedruck und obendrauf ein 32seitiges Booklet im LP-Format, das hat man nun wirklich nicht alle Tage. Dazu dann noch dieses irrsinnige Cover, Neko Case mit brennender Haarpracht und Zigarettenperücke, wie wahnsinnig kann man sein?

Auch auf "Hell-On" widmet sich Neko Case ihrem Stilmix, den ich mal als Mischung aus Country, Americana, Indie, Pop und klassischer Singer/Songwriter-Musik beschreiben würde. Trotzdem die Songs teils über sehr eingängige und manchmal fast poppige Melodien verfügen ("Bad Luck", "Last Lion of Albion"), wird die Musik dennoch stets von einer gewissen Nachdenklichkeit und Melancholie begleitet. Songs wie "Halls of Sarah" oder "Winnie" wirken fast zurückhaltend, aber auch diese Lieder stecken voll von grandiosen Melodien. Und auch wenn es mal etwas fordernder wird, wie im vom Aufbau her fast schon postrockigen "Oracle of the Maritime" - "Hell-On" bleibt doch immer nachdenklich und ruhig, wirkt aber auf der anderen Seite nicht durchgehend ernsthaft und erwachsen. Viele Songs scheint ein gewisses Augenzwinkern zu durchziehen. Immer wieder gibt es auch Streicher- oder Bläsereinsätze zu hören, die aber eher Akzente setzen, statt wirklich im Vordergrund zu stehen. 

In "Curse of the I-5 Corridor" ist neben Neko Case der mächtige Mark Lanegan am Gesang zu hören, was diesen auch vom Aufbau her recht ungewöhnlichen Song noch einmal hervorhebt. Die Stimmen von Lanegan und Case, jede für sich ja schon toll, ergänzen sich perfekt. Gleiches gilt für ihr Duett mit Eric Bachmann (Crooked Fingers), das es in "Sleep All Summer" zu hören gibt. Der Song ist im Grunde komplett kitschig, aber eben auch völlig grandios. 

"Hell-On" ist ein sehr abwechslungsreiches Album, das neben seinen einfach tollen Liedern vor allem von der einprägsamen Stimme Neko Cases lebt, die bei aller wie beschrieben durchaus vorhandenen Melancholie eben nicht bloß verhuscht herumhaucht, sondern kräftig und einfach mitreißend singt. Eine tolle Platte mit wirklich großem Songwriting, die nun eigentlich auch für mich einmal Anlass sein muss, mir noch mehr aus dem Backkatalog dieser tollen Künstlerin zu besorgen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0