Cult Of Luna / Brutus / A.A. Williams - Live in Köln

Cult Of Luna haben mit ihrem aktuellen Album "A Dawn to Fear" (mehr dazu in Kürze) eines der besten Alben des Jahres 2019 herausgebracht. Nachdem ihre inzwischen auch auf YouTube verfügbare Konzert-Nachlese "Years in a Day – Live at La Gaîté Lyrique: Paris" mir kürzlich die nicht vorhandene Frisur neu gerichtet hatte, war ein Besuch der gerade stattfindenden Tournee demnach Pflicht.

 

 

Das wirklich schöne Bürgerhaus Stollwerck liegt recht zentral in Köln direkt am Rhein. Die Parkplatzsuche gestaltete sich wie in dieser Stadt üblich als großer Spaß, letztlich wurde es dann das Parkhaus gegenüber für fanfreundliche 3,50 € die Stunde. Ja, Köln macht es einem immer wieder leicht, es zu hassen. Aber egal. 

Obwohl wir ca. 20 Minuten vor dem offiziellen Beginn in der Halle waren, bekamen wir vom ersten Voract A.A. Williams leider nur noch zwei Songs mit, da man offenbar früher begonnen hatte. Daher kann ich dazu nicht viel sagen, außer dass die Mischung aus Post Rock und etwas an Emma Ruth Rundle erinnernden Gitarrensongs durchaus zu gefallen wusste. Nichts wirklich Neues, aber dafür gut gemacht.

 

Die BelgierInnen von Brutus waren dann die zweite Vorband. Allein die Optik des Bühnensettings ist ungewöhnlich. Brutus sind nur zu dritt, wobei der Gesang von Stefanie Mannaerts übernommen wird, die gleichzeitig Schlagzeug spielt. Dementsprechend steht das Drumkit vorne am Bühnenrand, seitlich zum Publikum ausgerichtet, Gitarrist und Bassist stehen vom Zuschauer aus gesehen links daneben. Brutus, von denen ich immerhin ihr Debütalbum "Burst" kenne, begeisterten von Sekunde Eins an. Auf Platte war mir das ehrlich gesagt teilweise manchmal etwas zu anstrengend, live jedoch machen Brutus unglaublich viel Spaß. Irgendwo in der Schnittmenge aus (Post-) Hardcore, Punk, Metal und durchaus auch postrockigen Passagen angesiedelt, entfesselte die Band von Beginn an eine tierische Energie und war einfach mitreißend.  Dreh- und Angelpunkt ist dabei natürlich Stefanie Mannaerts, die neben ihrem sehr kraftvollen Schlagzeugspiel auch aus vollem Halse sang und quasi durchgehend auf 110 % zu laufen schien. Die Songs, die sich zu ca. gleichen Teilen aus Material der beiden Alben "Burst" und "Nest" zusammensetzten, kamen meist schnell auf den Punkt, waren zum Teil durchaus eingängig und endeten des Öfteren recht abrupt. Viel länger als eine gute halbe Stunde kann der Gig eigentlich nicht gedauert haben, aber Brutus nutzten die kurze Zeit, um eine wirklich beeindruckende Vorstellung abzuliefern und mich quasi restlos zu begeistern. Keine Frage, mit dem Studiomaterial der Band muss ich mich nun noch einmal genauer auseinandersetzen. 

 

Setlist Brutus:

  • War
  • Cemetery
  • Horde II
  • Drive
  • Space
  • Justice de Julia II
  • Techno
  • Baby Seal
  • Sugar Dragon

Der Headliner Cult Of Luna betrat dann gegen 21:15 Uhr die Bühne. Waren beide Vorbands mit jeweils drei MusikerInnen ausgekommen, so standen nun gleich sieben Leute auf der Bühne. Zwei Schlagzeuge, Bass, drei Gitarren, Keyboard und Gesang. Das alles vernünftig abzumischen, stelle ich mir durchaus schwierig vor. Während des ersten Songs "The Silent Man" klangen Cult Of Luna dann auch etwas matschig, aber ab dem zweiten Song waren diese Probleme behoben und der Sound war super.

 

 Was da von der Bühne auf den wehrlosen Zuschauer einprasselte, kann man wohl nur mit einem Wort beschreiben: mächtig.

Seit ich zum ersten Mal Neurosis live gesehen habe, wurden mir die Falten jedenfalls nicht mehr derart intensiv und effektiv aus der Jacke gezogen wie gestern von den sieben Schweden. Cult Of Luna live sind eine komplette Wand und ein Erlebnis, das man vermutlich einfach selber gemacht haben muss, um es zu verstehen, das angemessen zu beschreiben, ist eigentlich gar nicht möglich. Durch die hohe Anzahl an Musikern ist die Bühne entsprechend voll, dementsprechend gibt es auch viel zu gucken, zumal es sich speziell bei der Gitarrenfront auch nicht um Standfußballer handelt, es ist immer Bewegung auf der Bühne.

Abgesehen davon war auch die Lightshow eine absolute Wucht. Während die Bühne die meiste Zeit über in massig Nebel gehüllt war, wurde die Band oft von hinten bzw. hinten schräg unten beleuchtet. Strahler hinter der Band bewegten sich wie Suchscheinwerfer von links nach rechts, die Lichtstrahlen brachen sich an Musikern, Mikrofonständern oder Becken und leuchteten über die Köpfe des Publikums hinweg, während die Nebelwand parallel von oben in grünes, dunkelblaues oder blutrotes Licht getaucht war. Teilweise ("Finland", "The Fall") waren die Lichteffekte zudem passgenau auf bestimmte Passagen in den Songs abgestimmt. Völlige Allmacht.

Und dazu dann diese musikalische Wand, gegen die Johannes Persson mit infernalischem Gebrüll anschrie, sofern die Band nicht gerade mit einer ihrer ausufernden Instrumental-Passagen beschäftigt war. Die beiden ruhiger angelegten "And With Her Came the Birds" und "Passing Through", die von Gitarrist Fredrik Kihlberg mit ruhigem, sonorem Klargesang intoniert wurden, setzten tolle Kontrastpunkte und waren auch willkommene Ruhepole inmitten des Sturms, den dieses Konzert entfachte. 

Die Setlist fokussierte sich erwartungsgemäß auf das aktuelle Album, von dem vier Songs gespielt wurde. Ansonsten beschränkten sich Cult Of Luna auf Songs der beiden Alben "Vertikal" (2013) und "Somewhere Along the Highway" (2006) und ließen ihr übriges Material außer Acht. Mir kam diese Setlist allerdings sehr gelegen, da ich abgesehen von "Mariner", der Kollaboration der Band mit Julie Christmas, diese drei Alben auch tatsächlich für ihre besten halte. "The Fall" in einer schlicht nur als alles zermalmend zu bezeichnenden Version markierte schließlich den Endpunkt des Konzertes.

Nach ca. anderthalb Stunden war der Spuk dann vorbei, ein kurzes Danke und die Band war verschwunden. Ebenso kaputt wie glücklich ging es in die Kölner Nacht und dann nach Hause. Ein Konzert wie eine Katharsis, brachiale Gewalt mit einer unglaublich reinigenden Wirkung, Zerstörung und Neuaufbau. Was für ein Erlebnis. Danke, Cult Of Luna!

 

Setlist Cult Of Luna:

  • The Silent Man
  • Finland
  • Nightwalkers
  • I: The Weapon
  • And With Here Came the Birds
  • Lights on the Hill
  • In Awe of
  • Passing Through
  • The Fall

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