Auf Wiedersehen, Marie Fredriksson

An einem stressigen Arbeitstag erfuhr ich heute zwischen Tür und Angel vom Tod Marie Fredrikssons. In dem Moment hatte ich gerade keine Zeit, das sacken zu lassen oder auch nur vernünftig darüber nachzudenken. Später wuchs dann aber in mir das Bedürfnis, zumindest ein paar Worte dazu zu schreiben, obwohl ich normalerweise kein Freund von sowas bin.

Roxette waren damals mit ihrem Durchbruchsalbum "Look Sharp!" und da vor allem dem Song "Dangerous" meine erste selbstentdeckte Band.

Da war ich zehn Jahre alt.

Klar, ich hatte mich auch schon vorher für Musik interessiert, Vatterns Dire Straits- und Beatles-Alben gehört, aber das war etwas anderes und abgesehen davon regierten in erster Linie Die Fünf Freunde, TKKG und Die Drei Fragezeichen meinen Kassettenrecorder.

Ich weiß nicht mehr, wo ich "Dangerous" dann zum ersten Mal gehört habe, aber es packte mich und ließ mich nicht mehr los. Roxette waren meine erste 'eigene' Band, auch wenn ich nicht mehr weiß, wie ich dann an das Album kam. Vermutlich überspielte es mir ein Schulkollege auf Kassette oder etwas ähnliches.

1991, da bin ich mir relativ sicher, war dann "Joyride", Roxettes drittes Album (das Debütwerk "Pearls of Passion" wird gerne mal vergessen) meine erste selbstgekaufte CD. Bravoposter mit den Fotos von Marie und ihrem Bandpartner Per Gessle pflasterten zu dieser Zeit mein Kinderzimmer von oben bis unten.

Nun sind in meiner Zeit als Musikfan schon diverse Musiker, die ich mochte und mag, von uns gegangen, teilweise deutlich vor ihrer Zeit. Mit z.B. Kurt Cobain und Peter Steele waren da auch durchaus Leute bei, deren Tod mir damals nahe ging. 

Bei Marie Fredriksson ist es aber nochmal etwas anders. Wie gesagt, Roxette waren meine erste selbstentdeckte Band, etwas ganz besonderes und vielleicht die Initialzündung, dass ich zu dem Musikfreak avancierte, der ich heute bin.

Auf der anderen Seite waren sie aber seit ca. Mitte der Neunziger auch irgendwie von meiner Bildfläche verschwunden. Das Album "Tourism" habe ich seinerzeit noch mitbekommen, aber danach war ich raus. Mein Geschmack entwickelte sich in eine völlig andere Richtung, von Roxette bekam ich manchmal nur etwas mit, wenn einer ihrer neuen Songs im Radio gespielt wurde. Hier waren es vor allem die Balladen wie "Crash! Boom! Bang!" oder "Wish I Could Fly", die mich zumindest immer kurzzeitig aufhorchen ließen.

Diese Stimme!

Songs wie "Things Will Never be the Same", "Half A Woman, Half a Shadow", "Excited" und natürlich das an manchen Tagen beste Lied aller Zeiten, nämlich "Listen to Your Heart", waren aber immer Teil meiner musikalischen DNA und liefen regelmäßig. Daran hat sich bis heute auch nichts geändert. Trotzdem, Roxette als Band habe ich nicht mehr verfolgt, obwohl ich "Joyride" und insbesondere "Look Sharp!" immer noch liebte und manchmal auflegte, später sogar auf LP nachkaufte. Ganz weg waren sie also nie, aber eben auch nicht mehr Teil des Alltags. 

Und dann kam heute diese Meldung. Mir war bekannt, dass Marie Fredriksson Krebs hatte, wie es ihr ging, ob sie ihn vielleicht besiegt hatte, was sie sonst machte, ob es Roxette inzwischen noch gab - das wusste ich alles nicht. Die Nachricht von ihrem Tod traf mich dementsprechend unerwartet und unvorbereitet und ich kam mir ehrlich gesagt auch etwas mies vor, dass ich sie und ihre Krankheit überhaupt nicht mehr auf dem Schirm gehabt hatte.

 

Nun ist sie fort, was mich traurig gemacht hat. Ihre vielen tollen Lieder werden aber überdauern, das gilt ganz allgemein aber auch für mich im Speziellen. Am Ende bleibt darum nur zu sagen: Många tack, Marie!


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