Listensofa - Metallica

2020 ist bereits zur Hälfte rum und wie jeder weiß, hat es sich bisher eigentlich vollständig als ein Jahr zum Vergessen entpuppt. Scheißdreck und Chaos, wohin man blickt und ein Ende ist nicht wirklich abzusehen. Und obwohl ich durch den ganzen Social-Distancing-Kram, nicht stattfindende Konzerte, Kinobesuche oder sonstige Aktivitäten außerhalb der eigenen vier Wände deutlich mehr Zeit habe als vorher, war meine Motivation, diese Seite mal wieder mit Inhalt zu füllen, in den letzten Monaten doch äußerst überschaubar.

Nachdem man jetzt aber dann auch seinen Urlaub zu Hause verbringt, wuchs doch so langsam mal wieder das Verlangen, Euch mit meinem Geschreibsel zuzumüllen. Und was könnte das passender sein als der nächste Endlosartikel aus der Reihe "Listensofa", diesmal zum Thema Metallica.

Metallica, das habe ich hier an anderer Stelle schon mal erwähnt, sind für mich die Band. Ohne Metallica wäre ab meinem 13. Lebensjahr alles komplett anders gekommen. Wie es gekommen wäre, weiß ich naturgemäß nicht, aber es ist sicher, dass einfach alles anders gelaufen wäre und ich mit Sicherheit nun nicht an dieser Stelle sitzen und über die Band schreiben würde, die mein Leben inklusive Partnerschaft, komplettem Freundeskreis, Hobbies etc. so nachhaltig beeinflusst hat. Zeit also, den Burschen hier endlich mal die Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen, die ihnen deswegen von meiner Seite aus zusteht. Anders als bei den bisherigen Listensofas fiel mir die Festlegung der Rangfolge bis auf eine kleine Ausnahme übrigens in diesem Falle außerordentlich leicht.  Kommen wir nun also zum mächtigen Metallica-Listensofa.


Außer Konkurrenz

Bevor es mit den eigentlichen Studioalben losgeht, möchte ich mich außer Konkurrenz zunächst einigen Veröffentlichungen widmen, die keine Studioalben waren und sich darum schlecht in diese Rangfolge bringen lassen, die ich aber trotzdem als wichtig genug erachte, dass sie hier Erwähnung finden müssen.

Da wäre zunächst die 1987 erschienene "The $ 5.98 EP - Garage Days Re-Revisited", die den Einstieg von Bassist Jason Newsted markierte. Fünf Songs in 25 Minuten holzen Metallica hier in herrlich räudiger, wütender und unbekümmerter Manier herunter, die Originale stammen von Diamond Head, Holocaust, Killing Joke, Budgie und The Mifists, letztere werden mit einem Medley aus "Last Caress" und "Green Hell" im Grunde eigentlich zweimal gecovert. Alle fünf Versionen sind absolute Granaten, Diamond Heads "Helpless" und das im Original von Killing Joke stammende "The Wait" stechen allerdings noch einmal besonders hervor. Lange war diese EP einzeln gar nicht mehr erhältlich, wurde dann aber vor einigen Jahren netterweise noch einmal neu aufgelegt.

Diese fünf Songs waren im Jahre 1998 auch auf "Garage Inc." enthalten, einem Compilation-Doppelalbum, das auf CD 1 elf neu eingespielte Coverversionen enthielt, während CD 2 mit allen weiteren bis dato erschienenen Coverstücken von Metallica aufwartete. Insgesamt enthielt "Garage Inc." ganze 27 Songs. Von den neuen Versionen sind aus meiner Sicht besonders das Bob Seger-Cover "Turn the Page", das elfminütige aus diversen Songs bestehende Mercyful Fate-Medley sowie das im Original von Blue Öyster Cult stammende "Astronomy" erwähnenswert, das gemeinsam mit dem obligatorischen Diamond Head-Cover "Am I Evil?" meiner Meinung nach die beste Coverversion ist, die Metallica jemals aufgenommen haben.

1993 erschien das gewaltige Boxset "Live Shit: Binge & Purge", das auf drei CDs und drei VHS-Tapes insgesamt drei komplette Metallica-Konzerte enthielt. Zwei davon stammten von der Tour zum 1991 erschienenen 'schwarzen Album' (Mexico City und San Diego), eines noch von der Tour zum Vorgänger "...and Justice for All", aufgenommen 1989 in Seattle. Außerdem waren ein großformatiges Buch sowie etwas Firlefanz in dieser Box enthalten, die mit (wenn ich mich richtig erinnere) damals 180 Mark so dermaßen außerhalb meines schmalen Schüler-Budgets lag, dass ich gezwungen war, den einen Monat zu warten, der zwischen Veröffentlichung und Weihnachten 1993 lag. Speziell das Seattle-Video habe ich dann in den nächsten Jahren so oft geguckt, dass es irgendwann durchsichtig war. Metallicas Live-Shit Konzert aus Seattle ist meiner Meinung nach das beste Live-Dokument, das jemals irgendeine Band auf die Menschheit losgelassen hat. Mit einer nur als unmenschlich zu bezeichnenden Energie legen die vier Burschen von Beginn an los, dass man sofort mitgerissen wird, alles plattwalzende Versionen von Songs wie "Blackened", "Creeping Death", "Whiplash", "Master of Puppets" oder das von Jason Newsted korrekt als "about the heaviest number known to mankind" angekündigte "The Thing That Should Not Be", das einem schlichtweg die Knochen bricht, platzen fast vor Energie und können vor Kraft kaum laufen. Göttlich. Die CD aus Mexico City enthält zudem von einigen Stücken ("Creeping Death", "Harvester of Sorrow", "Of Wolf and Man") die für mich ultimativen Versionen dieser Songs.

 

Ist das Kunst oder kann das weg? Sicher bin ich mir bei der Antwort betreffend "Lulu" bis heute nicht. 2011 erschienen, eigentlich eher ein Lou Reed-Album, bei dem Metallica eben seine Backing-Band sind, wobei James Hetfield auch singen darf. Ich habe "Lulu" ehrlicherweise lange nicht mehr angehört, aber sehr gemischte Erinnerungen daran. Einiges war durchaus richtig gut, andere Sachen fand ich aber auch relativ unhörbar, vieles wirkte wie Stückwerk, anderes funktionierte durchaus. Nachdem ich in den letzten Monaten zunehmend in Richtung ausufernder Doom- und Psychedelic-Musik abdrifte, sollte ich mir "Lulu", das auf einer literarischen Vorlage von Frank Wedekind basiert, vielleicht einfach mal wieder geben. Vielleicht aber auch nicht.

2013 kam dann der erste Metallica-Kinofilm heraus. "Through the Never", das zu ca. 80 % einfach ein Konzert und zu ca. 20 % eine Spielfilmhandlung zeigt, die dann miteinander verknüpft werden, floppte wohl ziemlich und kostete die Band einiges an Kohle. Ich muss sagen, dass ich den Film grandios finde, und zwar sowohl dem Spielfilmteil als auch den Konzertteil. Der Film wurde in 3D gedreht und war eine der wenigen Male wo dieses Medium für mich wirklich funktionierte. Speziell der Konzertteil, bei dem man zum Teil einfach mit auf der riesigen Bühne inklusive unfassbarer Multimedia-Show steht, war in 3D wirklich ein Erlebnis. Zu Unrecht ist dieser Film leider ziemlich untergegangen.

Übrigens nicht auf dem Foto ist das 1999 erschienene Live-Album "S&M", für das Metallica sich mit einem Symphonie-Orchester zusammentaten, das unter der Leitung von Michael Kamen dann einfach irgendetwas spielte, während Metallica stumpf ihren Stiefel herunterzockten. Bis auf wenige Ausnahmen (die Balladen) komplett unhörbar und darum inzwischen längst aus der Sammlung entfernt. Das ist allerdings auf der anderen Seite eines der Dinge, die ich an dieser Band so schätze: Metallica haben sich immer ausprobiert, experimentiert und das gemacht, worauf sie Bock hatten. Das rechne ich ihnen hoch an. Dass einiges davon nach hinten losging oder gleich gar nicht funktionierte, steht dabei auf einem anderen Blatt.




Platz 10: St. Anger (2003)

Dass "St. Anger" in dieser Liste auf dem letzten Platz landet, ist natürlich ebenso vorhersehbar wie unoriginell. Dabei ist "St. Anger" mit Sicherheit das ehrlichste Album, das diese Band jemals aufgenommen hat und zudem ist es mit ziemlicher Sicherheit auch das wichtigste. Allein deswegen sollte ihm eigentlich eine höhere Bedeutung zugemessen werden, ich tue es aber dennoch nicht.

Wie ehrlich und wichtig dieses Album ist, wird besonders bei Ansicht des die Entstehungsgeschichte des Albums dokumentierenden Films "Some Kind of Monster" (der leider nicht mit auf dem Foto ist, weil ich ihn offenbar verliehen habe, auch wenn ich nicht weiß, an wen) deutlich. Natürlich könnte man jetzt sagen, es ist beschämend, wenn erwachsene Männer eine Gruppentherapie brauchen, um überhaupt noch miteinander kommunizieren zu können. Und noch beschämender, wenn sie sich dabei sogar noch filmen und das Ergebnis dann auf die Menschheit loslassen. 

Ebenso gut könnte man sich aber auch die Frage stellen, ob es bei vielen anderen großen Bands hinter den Kulissen groß anders zugehen dürfte bzw. eine Gesprächstherapie dem ein oder anderen Egomanen nicht mal gehörig guttun würde. Und ob nicht vielleicht auch eine gehörige Portion Mut dazugehört, solch ein Filmdokument, das derart hautnah dabei ist, wenn sich Lars Ulrich und James Hetfield mit ihren planetengroßen Egos gegenseitig fast die Köpfe einhauen, tatsächlich seinen Fans zugänglich zu machen. Von Hetfield gibt es kurz vor seinem ersten Alkoholentzug zwar auch eine schwache und verletzliche Seite zu sehen, aber natürlich muss man gerade auch bei so etwas als 'Darsteller' schon dreimal überlegen, ob man will, dass die Fans diese Seite von einem sehen. Letztlich ist Kirk Hammett so ziemlich der einzige in diesem Film, der sympathisch und bodenständig rüberkommt, exemplarisch seine Facepalm-Geste in einer Szene, in der sich Hetfield und Ulrich wieder über irgendeine Nichtigkeit streiten. 

"St. Anger" als Album kann man nach Kenntnis seiner Entstehung und der Hintergründe sicherlich besser verstehen, als wenn man die Platte einfach nur so hört. Trotzdem ist es ein schwieriges Album, was für mich weniger am oft kritisierten Klang, dafür aber mehr an den Songs als solchen liegt. Letztlich bleiben mit "The Unnamed Feeling" und dem wirklich guten Titelsong nur zwei Stücke in nachhaltiger Erinnerung. "Frantic" und "Some Kind of Monster" sind gut, und das war es dann. Der Rest ist zumindest für mich wirklich zum Vergessen und mit Komplettausfällen wie "Invisible Kid", "Shoot Me Again" , "My World" und dem vermutlich furchtbarsten Metallica-Song aller Zeiten, dem schlichtweg nicht anhörbaren "All Within My Hands", gibt es zudem derart viel Ausschuss, dass ich das Album einfach nicht mehr hören mag. Man hört die schwere Geburt, die "St. Anger" war, zu jeder Sekunde, man hört die Wut, die Orientierungslosigkeit, das teilweise kreative Gegeneinander-Anrennen - und darum würde ich eben auch sagen, es ist mit Abstand ihre ehrlichste Platte - nur ist sie eben einfach nicht gut.



Platz 9: Death Magnetic (2008)

Seit 1998 ist der Veröffentlichungs-Zyklus von Metallica ja ein endgültig komplett anderer, als das in den ersten anderthalb Jahrzehnten ihrer Karriere der Fall war. Fünf und mehr Jahre Albumpause sind inzwischen völlig normal geworden, wie gesagt, die Band probiert sich auf vielen Feldern aus und neue Musik aufzunehmen ist da eben nur noch eins von vielen Tätigkeitsgebieten. 

"Death Magnetic" erschien als Nachfolger von "St. Anger" im Jahre 2008 und zum ersten und auch einzigen Mal in der Geschichte dieser Band drängte sich ein wenig der Eindruck auf, dass sie nicht das machen, wozu sie Bock haben, sondern das, was die Leute von ihnen hören möchten. In seinem Aufbau erinnert "Death Magnetic" stark an ihre eigenen Klassiker aus den Achtzigern, ein Song wie "The Day That Never Comes" klingt wie ein Bastard aus "Fade to Black" und "One", erstmals seit 1988 gibt es wieder ein langes Instrumentalstück usw. "Death Magnetic" wirkt auf mich ein bisschen wie der Versuch, beweisen zu wollen, dass man nach wie vor in der Lage war, eine 'klassische' Metallica-Platte zu machen.

Von einer kreativen Null-Lösung zu sprechen, wäre sicherlich zu hart, aber näher dran an einer solchen waren Metallica zumindest nie. Dabei ist die erste Hälfte des Albums richtig gut. Auch wenn das schon erwähnte "The Day That Never Comes" schon sehr stark auf Nummer Sicher spielt, so ist es doch trotzdem ein guter Song. Das gilt für jedes der ersten fünf Lieder auf "Death Magnetic", speziell "The End of the Line" ist einfach irre gut. Mit Song 6, "Cyanide", lässt es ein wenig nach, der Song ist aber trotzdem noch auf der Habenseite zu verbuchen. Dann allerdings wird es leider sehr schnell sehr dünn auf "Death Magnetic". Der dritte Teil von "The Unforgiven" kann seinen beiden Vorgängern zu keiner Sekunde das Wasser reichen, das Instrumental "Suicide and Redemption" ist ein zehnminütiger Klumpen allumfassender Ödnis und das abschließende "My Apocalypse" nervt mit seiner unglaublichen Stumpfheit und Ulrichs einfältigem Drumming. Lediglich "The Judas Kiss" lässt noch einmal aufhorchen, bleibt aber trotzdem hinter den ersten sechs Songs zurück. 

Zudem ist der Sound von "Death Magnetic" eine wirkliche Unverschämtheit. Ich gebe zu, damals wolle ich es nicht wahrhaben und habe es mir schöngeredet, aber dieses Album klingt einfach scheiße. Viel zu laut, keinerlei Dynamik, vollständig übersteuert, versucht man sich diese Platte über Kopfhörer anzuhören,legt man diese nach maximal drei Songs mit stechenden Kopfschmerzen wieder zur Seite. Das Album ist also viel zu lang und klingt zudem einfach nur furchtbar. Hätte man aus den ersten sechs Songs plus "The Judas Kiss" ein rund fünfzigminütiges Album gemacht, sähe die Sache schon anders aus. Die später nachgeschobene EP "Beyond Magnetic" mit vier übriggebliebenen Liedern aus den "Death Magnetic"-Sessions ist zudem ebenfalls komplett verzichtbar.



Platz 8: Reload (1997)

"Load" (1996) und "Reload" (1997) entstanden in einem Prozess und sollten ursprünglich sogar ein Doppelalbum werden. Oft hört man den Vorwurf, dass man aus diesen beiden Platten die Highlights zusammenlegen und so ein einziges, dafür wirklich gutes Album machen könnte. Das ist aber natürlich Quatsch. Erstens ist "Load" für sich genommen schon wirklich gut und zweitens unterscheiden sich die beiden Alben für mich auch stimmungstechnisch ziemlich voneinander, auch wenn sie in einem Songwriting- und Aufnahmeprozess entstanden sein mögen.

"Reload" enthält gerade in seiner Mitte leider auch relativ viel mittelmäßiges Material und zudem reihen sich hier zu viele vom Tempo her ähnliche Midtemponummern wie "Better Than You", "Bad Seed" und "Slither" aneinander. Es fehlt einfach die Abwechslung, die das Schwesteralbum "Load" hat. Auf der Habenseite stehen der schnelle Opener "Fuel" trotz seines granatendoofen 'Schnelle Autos sind toll!'-Textes, der zweite Teil von "The Unforgiven", der das 'Harte Strophe, sanfter Refrain" des ersten Teils einfach umkehrt, die Midtemposingle "The Memory Remains", bei der Marianne Faithfull herrlich leiernde Gastvocals beisteuert, das rotzigfreche "Prince Charming", bei dem besonders Hetfield eine diebische Freude zu haben scheint sowie die minimalistische Ballade "Low Man's Lyric", die zwar etwas lang geraten ist, dafür aber eine heimelige Lagerfeueratmosphäre verbreitet und sich von sämtlichen anderen Metallica-Balladen allein darum deutlich abhebt. Mit dem einfach nur schlechten "Attitude" gibt es allerdings auch einen richtigen Ausfall zu vermelden. Insgesamt hat also auch "Reload" das Problem, zu lang zu sein bzw. zwischen die Highlights einfach zu viel verzichtbares Material einzubauen. Dennoch ist es insgesamt ein Album, das man aufgrund der Highlights und des herrlich wuchtigen Klangs insgesamt schon noch als 'gut' bezeichnen muss. Knapp drei Jahre später erschien dann die Stand-Alone-Single "I Disappear", die ich aber dennoch zur "Load/Reload"-Phase zähle. Guter Song auf jeden Fall, der auf "Reload" zu den besseren gehört hätte.



Platz 7: Hardwired... to Self Destruct (2016)

Das bisher letzte Metallica-Album "Hardwired... to Self Destruct" ist das erste Doppel-Album der Band, hätte aber rein spielzeittechnisch auch auf einer CD Platz gefunden, die dann wie alle Platten dieser Band seit 1996 die Spieldauer einer CD mehr oder weniger voll ausgereizt hätte. Ein Freund meinte mal, "Hardwired" (wie ich es aufgrund der Lesbarkeit in der Folge einfach nenne) sei eigentlich das erste Metallica-Album in ihrer Karriere, bei dem die Band niemandem mehr etwas beweisen musste, und wenn man darüber mal ein wenig nachdenkt, stimmt das tatsächlich. Sonst hatte es eigentlich immer irgendeinen Grund gegeben (neue Bandmitglieder, harsche Kritik an einem Vorgänger-Album etc...), dass Metallica einen Antrieb gehabt hatten, es den Leuten zeigen zu müssen/wollen/können. Trotz der Kritik am Sound wurde "Death Magnetic" aber ja überwiegend wohlwollend aufgenommen und so ist "Hardwired" tatsächlich wohl das erste Album, bei dem es diesen Druck einfach nicht mehr gab.

Lustigerweise vereint "Hardwired" die songwriterischen Schwächen von "Death Magnetic" und "Reload" (lies: gerade in der zweiten Hälfte zuviel mittelmäßiges Material, das sich zudem auch stets in ein und demselben Tempo bewegt), ist aber trotzdem das klar beste dieser drei Alben. Das liegt vor allem an der ersten CD, die von vorne bis hinten grandios ist und mit "Atlas, Rise!", "Moth into Flame" und vor allem  "Halo on Fire" drei Songs enthält, die den Test of Time längst überdauert haben und sich für mich auf einer Stufe mit den Klassikern einreihen. Die zweite CD beginnt mit dem vertrackten "Confusion" vielversprechend und endet mit dem Highspeed-Gebretter "Spit out the Bone" auch sehr grandios, die vier Songs zwischen diesen beiden Eckpunkten klingen allerdings untereinander einfach zu ähnlich, um wirklich hervorzustechen oder auch nur nachhaltig Eindruck zu machen. Dabei sind "ManUnkind" und "Murder One" für sich genommen sogar ziemlich gut, aber zusammen mit den im gleichen Tempo gespielten "Here Comes Revenge" (öde) und "Am I Savage?" (Schrott) mäandert die zweite CD von "Hardwired" einfach über einen viel zu langen Zeitraum im Midtempo dahin.  Dafür hat man beim Sound diesmal alles richtig gemacht, das Album klingt super, frisch und unverbraucht und speziell James Hetfield überzeugt mit seiner grandiosen Gesangsleistung und wirkt 20-25 Jahre jünger, als er zu diesem Zeitpunkt eigentlich war. Trotz seiner Schwächen ist "Hardwired" darum Pflicht. Nur über das Cover decken wir am besten einfach den Mantel des Vergessens - gute Güte.



Platz 6: Kill 'Em All (1983)

Oha, das Debüt nur auf Platz 6, das sorgt sicherlich für Herzrasen und pochende Halsschlagadern bei dem einen oder der anderen. Vorab sei aber gesagt, dass ab Platz 6 aufwärts nun aber wirklich alles essentiell ist und absolut kein Weg mehr an diesen Alben vorbeiführt. Ja, es sind die ersten sechs Alben, und interessant ist jetzt maximal noch die Reihenfolge, das ganze ist wenig überraschend, aber so ein Konsens bildet sich ja auch nicht ohne Grund heraus. Warum ist "Kill 'Em All", das furiose Metallica-Debüt, nun also bloß auf Platz 6?

Es liegt wohl in erster Linie weniger an der Musik, die natürlich grandios ist, dafür mehr an der emotionalen Bindung, die ich bei "Kill 'Em All" einfach weniger stark habe als bei den anderen der ersten sechs Metallica-Alben. Nimmt man zudem die Texte in die Wertung mit rein, so offenbart das Album mit Albernheiten wie "Hit the Lights", "Whiplash" oder "Jump in the Fire" schon klar Schwächen. Natürlich darf man auch nicht vergessen, dass diese Songs und Texte entstanden, als die Herren Hetfield, Ulrich, Burton und Hammett (und Mustaine) gerade einmal zwischen 18 und 20 Jahren alt waren. Allerdings bewiesen sie nur ein Jahr später auf "Ride the Lightning", dass es eben textlich auch anders geht. 

Ansonsten gibt es nichts zu meckern an "Kill 'Em All" - natürlich nicht, wie auch? Songs wie "The Four Horsemen", "Hit the Lights", "Phantom Lord", "No Remorse"  und "Metal Militia" sind der heilige Gral und gehören zum Heavy Metal-Evangelium. Seit knapp 40 Jahren müht sich die Metal-Szene im Allgemeinen und die Thrash-Szene im Speziellen ab, aber an die Brutalität, die Aggression, das messerscharfe Riffing, die schneidenden Gitarren dieses Albums und den herrlich angepissten Gesang des jungen James Hetfield ist mit Ausnahme der frühen Slayer (und die auch nur auf "Reign in Blood") niemals jemand auch nur im Ansatz herangekommen. "Kill 'Em All" könnte passender kaum betitelt sein, diese Platte versprüht eine so herrliche 'Leckt uns einfach alle am Arsch!'-Attitüde, die bis zum heutigen Tag funktioniert und mir jedes Mal ein freudiges Grinsen ins Gesicht zaubert, wenn ich zum Beispiel im Mittelteil von "The Four Horsemen" die Schlagwörter wie "Famine!" und "Pestilence!" mitbrülle. Herrlich. Lediglich "Seek and Destroy" ist inzwischen leider etwas drüber. Daran hat vor allem die Band selber Schuld, die das Lied in den Neunzigern mit endlosen Mitsing-Spielchen live zur Geduldsprobe machte und es zudem auf der "Death Magentic"-Tour immer als Rausschmeißer und somit irgendwie auch Stimmungskiller benutzte. Davon ab ist "Kill 'Em All" selbstverständlich von vorne bis hinten der völlige Wahnsinn.



Platz 5: Load (1996)

An dieser Stelle kommt nun das eine Mal, wo ich mir bei dieser Liste nicht sicher war und es auch noch immer nicht bin. "Load" vor "Metallica" oder "Metallica" vor "Load"? Ich weiß es nicht. Den größeren emotionalen Bezug habe ich ganz klar zu "Metallica" (später dazu mehr), musikalisch spannender und inzwischen eigentlich auch besser finde ich hingegen "Load". Für dieses Album gab es massiven Gegenwind und auch ich als 18jähriger Depp, der ich damals war, habe "Load" zunächst verachtet und schlecht gefunden, nachdem ich sogar am Veröffentlichungstag die Schule geschwänzt hatte, um es mir gleich morgens im Plattenladen zu kaufen. Zu weichgespült, zu bluesig, zu alternativelastig und was man halt damals alles noch nachgeplappert hat, was irgendwelche Verfechter der wahren Lehre einem so vorpredigten. Dabei ist "Load" ein wirkliches Meisterwerk, aber es hat viele Jahre gedauert, bis ich das gemerkt habe. Und ich packe es nun völlig willkürlich auf Platz 5 und als Rechtfertigung nehme ich, dass mit "2x4" und "Ronnie" zwei der insgesamt 14 Songs klaren Füller-Charakter haben. So. Erledigt.

"Load" ist knapp das längste aller Metallica-Alben und wäre auch ohne diese beiden Songs immer noch um die 70 Minuten lang. Man bekommt schon etwas den Eindruck, dass Metallica die starken Songs der "Load/Reload"-Sessions bewusst auf dem zuerst veröffentlichten Alben verbrieten und sich das meiste des Durchschnittsmaterials für den Nachfolger aufhoben.

Bei der vorab ausgekoppelten Single "Until it Sleeps" zeigte sich die Band erstmals verletzlich und zerbrechlich und mal nicht vor Testosteron überbordend. Gleiches gilt für "Bleeding Me", halb Ballade, halb schwerfällig  daherschwappende Doom-Walze, oder das fast poppige "Hero of the Day" mit seinem für Metallica-Verhältnisse sehr eigenständigen Songwriting, auch die Country-Ballade "Mama Said" lehnt sich weit aus dem Fenster und speziell Hetfield versteckt sich hier erstmals nicht hinter seinem Frust und seiner Wut, sondern lässt den Zuhörer wirklich nah an sich heran. Songs, die ich anfangs überhaupt nicht verstand wie das merkwürdige Midtempostück "Cure" oder das mit einem fast schon bluesigen Riff aufwartenden "Poor Twisted Me" erschlossen sich mir erst viel später als die Meisterwerke, die sie eben sind. Mit Songs wie "Ain't My Bitch" oder "King Nothing" (das am Ende sogar ganz leise "Enter Sandman" zitiert) schlugen Metallica zudem die Brücke zum Vorgänger, von dem sie sich ansonsten schon sehr deutlich absetzten. Das wahre Highlight sparte man sich aber diesmal bis ganz zum Schluss auf. "The Outlaw Torn" ist mal ganz sicher das beste Metallica-Stück der Neunziger und zählt auch ansonsten zu ihren besten Liedern überhaupt, das Riff hätte sich ohne Weiteres auch ein Tony Iommi ausdenken können, überhaupt war man nie näher an Black Sabbath als mit diesem Wahnsinns-Song, der sich in zehn Minuten wie Lava dahinwalzt und dabei eine Jahrhundertmelodie an die nächste reiht. Großartig.

"Load" ist entgegen seinem Ruf ein vollkommen grandioses Album und zumindest in den letzten, na sagen wir mal 15 Jahren habe ich kein anderes Album der Band öfter gehört als dieses.



Platz 4: Metallica (1991)

"Metallica" war der Anfang, also zumindest für mich. Als ich mit unschuldigen zwölf Lenzen zum ersten Mal das Video zu "Enter Sandman" auf MTV sah, war es spätestens bei der Szene, in der der Truck das Bett plattmacht, um mich geschehen. Seitdem sind annähernd 30 Jahre vergangen, ja, "Metallica" wird nächstes Jahr tatsächlich bereits 30 Jahre alt, und irgendwie kommt es mir trotzdem fast so vor, als wäre das mit dem "Enter Sandman"-Video so vor etwa drei Wochen gewesen. Was für ein Ritt.

Dieses Album war mein Einstieg in den Metal, es war mein Einstieg in die Musikwelt abseits von Radiokram generell, es war schlicht der Beginn von allem und es ist somit das wichtigste Album meines Lebens, weswegen es eben nun auch vor "Load" steht, das ich wie geschrieben zumindest inzwischen musikalisch besser finde.

Auch für Metallica selber veränderte dieses Album alles und machte sie endgültig zu den Megastars und Millionensellern, die sie bis heute sind. Ich glaube nicht, dass so etwas heute noch einmal funktionieren würde, aber 1991 sah die Welt noch ganz anders aus und die richtig großen Bands waren nun mal Rockbands, völlig egal, ob das nun Guns N' Roses, Nirvana oder eben Metallica waren.

Alles an dieser Platte passt zusammen. Die Songs sind viel kompakter, kommen viel eher auf den Punkt als beim ausufernden Vorgänger "...And Justice for All", der Sound ist perfekt und ausgeklügelt bis ins letzte Detail, bis zum heutigen Tag hat es für mich nie wieder einen großartigeren Schlagzeug-Sound gegeben als den von Lars Ulrich auf "Metallica". Das komplett schwarze Artwork, die schattenhaften Musikerporträts im Booklet, diese unglaublich eingängigen und doch immer schön düsteren Songs - alles greift dermaßen ineinander und ist dermaßen perfekt wie bei keinem anderen Album dieser Band, es wird absolut nichts dem Zufall überlassen. Schwache Songs kann man mit der Lupe suchen und wird keine finden. Selbst die wirklich bis zum Exzess totgespielten "Enter Sandman" und "Nothing Else Matters" nerven mich bis heute nicht und ich freue mich jedes Mal drauf, wenn ich das Album auflege. Songs wie "Holier than Thou", "Of Wolf and Man" oder "The Struggle Within" föhnen einem immer noch die Haare nach hinten, aber brauchen dafür jeweils nur drei bis vier Minuten. Düstere Midtemposongs wie "The God that Failed", "Sad But True" und "Wherever I May Roam" kontrastieren das. Mit den beiden Halbballaden "The Unforgiven" (Kirk Hammetts bestes Solo der gesamten Karriere) und "My Friend of Misery" (das ursprünglich von Jason Newsted stammte und als Instrumental geplant war) sind die beiden besten Songs zwar auch eher auf der epischen Seite, dennoch sind auch diese Lieder unglaublich kompakt und eben auf den Punkt gespielt. "Metallica" ist ein perfektes Album, es ist manchmal schon zu perfekt und man hört, dass es natürlich durchaus auch auf ordentliche Verkaufszahlen getrimmt ist und nach dem Mainstream schielt. Und? Wenn solch eine Platte dabei herauskommt, was ist daran schlimm? Erwähnenswert ist noch der Auftritt der Band beim Freddie Mercury-Tribute-Konzert 1992, das von ihnen eröffnet wurde und bei dem sie drei Songs von "Metallica" performten, die später auch als Single herauskamen. 



Platz 3: Ride the Lightning (1984)

Der Sprung, den Metallica innerhalb nur eines lumpigen Jahres von ihrem Debüt zum Zweitwerk "Ride the Lightning" hinlegten, ist eigentlich überhaupt nicht nachvollziehbar. An sich müssten zwischen diesen beiden Alben locker ein bis zwei Zwischenschritte liegen, die Steigerung, die die Band in Sachen Songwriting, Texte und Produktion hinlegte, kann man im Grunde nur als atemberaubend bezeichnen. "Ride the Lightning" markiert das erste von drei (zählt man "Death Magnetic" mit, eigentlich sogar vier) Alben mit recht ähnlichem Aufbau (schneller Opener, Titelsong an zweiter Stelle, (Halb)ballade an vierter Stelle, Instrumental am oder kurz vor dem Schluss).

"Ride the Lightning" hat wie jedes der Alben auf den ersten vier Plätzen absolut keinen Schwachpunkt. Auch das vielgescholtene "Escape", das sieben Jahre im Voraus bereits das "Enter Sandman"-Prinzip vorwegnahm, ist natürlich ein völliger Zehnpünkter. Selbiges gilt für das pfeilschnelle, zwischen den ganzen Klassikern aber oft untergehende "Trapped under Ice".

"Fight Fire With Fire" führt mit akustischem Intro zunächst in die Irre, bevor sich dann der vermutlich schnellste Metallica-Song aller Zeiten anschließt, der zumindest in Teilen noch die Brücke zum Debüt schlägt. Spätestens ab dem Titelsong wird das Songwriting aber abwechslungsreicher, ausgefeilter und ausgereifter. Metallica variieren öfters mal das Tempo auch innerhalb eines Songs, was zuvor maximal bei "The Four Horsemen" der Fall gewesen war. Mit "For Whom the Bell Tolls" wird die Tradition dieser schleppenden, unfassbar heavyien (ich weiß, das ist kein Wort) Midtempo-Walzen etabliert, das schaurig-schöne "Fade to Black" ist ihr erster Ausflug in die Balladenwelt und mit "Creeping Death" gibt es einen weiteren Metal-Klassiker, den jeder kennt und den jeder liebt, der sich in seinem Leben auch nur fünf Minuten mit dieser Musik befasst und sich dafür begeistert hat. Den recht halligen, manchmal etwas dröhnenden Sound von "Ride the Lighning" liebe ich bis heute, das Album klingt eigentlich alles andere als perfekt, aber es passt eben so dermaßen wie die Faust aufs Auge. Ein ewiges Rätsel bleibt bloß, wieso "Ktulu" in "The Call of Ktulu" falsch geschrieben ist, aber vielleicht hatte das einfach rechtliche Gründe. "For Whom the Bell Tolls", "Fade to Black" und "Creeping Death" sind Songs, die über Jahrzehnte  Bestandteil jedes Metallica-Konzerts waren und zumindest "Creeping Death" ist das auch bis heute, lediglich "Master of Puppets" haben sie laut diverser Internet-Nerdseiten wohl noch häufiger gespielt. Mit dem Titelsong und dessen Text setzte man sich erstmals auch mit einem ernsthaften Thema (Todesstrafe) auseinander und ließ sich für "For Whom the Bell Tolls" auch zum ersten Mal von Literatur beeinflussen. Ein Meisterwerk und völlig zu Recht natürlich der Klassiker, der es eben ist.



Platz 2: ...And Justice for All (1988)

An "...And Justice For All" scheiden sich bis heute die Geister, was vor allem am Sound liegt. Der neue Mann am Bass, Jason Newsted, der hier seinen Album-Einstand gab, hatte mit den zu füllenden Fußstapfen des verstorbenen Cliff Burton natürlich eine Mammut-Aufgabe übernommen. Und dann drehte man seinen Bass auf diesem Album so leise, dass man ihn maximal erahnen konnte. Es gibt diverse inoffizielle Youtube-Remixe namens "...And Justice for Jason" und ähnlichen Hokuspokus, wo man seinen Beitrag dann ins angeblich rechte Licht rückt. Und wer weiß, wie dieses Album mit anderem Klang angekommen wäre. So leid es mir für Newsted (der übrigens für alle Zeiten mein Lieblings-Metallica-Mitglied sein wird) auch tut, aber der Klang von "...And Justice For All" ist natürlich perfekt und genau richtig so, wie er ist. Ich kann und mag mir das Album mit keinem anderen Sound vorstellen, was der Grund ist, weshalb ich mir von diesen besagten Remixen noch nie auch nur mehr als eine Minute angehört habe.

"...And Justice for All" ist vermutlich trotz seiner ungeheuren Komplexität und am Progressive Rock kratzenden Songmonstern wie dem Titelstück das wütendste aller Metallica-Alben. Kein Wunder. Nach dem Unfalltod Cliff Burtons gab man der Band im Grunde nur wenige Wochen zur Erholung, in dieser Zeit musste ein neuer Bassist gefunden und danach die Tour fortgesetzt werden, kurze Zeit später erschien schon die "$ 5.98 EP" und ein Jahr später dann eben schon "...And Justice for All". Zeit, das Trauma irgendwie zu verarbeiten, dürften sie also nicht gerade gehabt haben. Die unbändige Wut speziell Hetfields entlud sich daher wohl in dieser selbst für seine Verhältnisse angepissten Performance, die er beispielsweise auf "Blackened" oder "Eye of the Beholder" an den Tag legt, er rotzt und spuckt seine Texte nur so heraus, klingt bitterböse und angefressen, so als würde er der ganzen Welt am liebsten mit voller Wucht ins Gesicht treten. Genau dazu passt übrigens dann eben auch dieser schneidende, bassarme, knochentrockene und kaltherzige Sound, den dieses Album hat. Textlich wagt man sich an ernste und schwere Themen wie die Zerstörung der Erde durch den Menschen ("Blackened"), das kaputte Justizsystem (Titelsong), Krieg ("One") oder den Mord an der eigenen Familie ("Harvester o Sorrow"). "...And Justice for All" vermittelt zu keiner Sekunde auch nur den Hauch von guter Laune, hier geht es durchgehend ernst, verbissen und mit dem offenen Messer in der Tasche zur Sache.

"Blackened" ist, wenn ich mich mit vorgehaltener Waffen entscheiden müsste, vermutlich mein Lieblingssong von Metallica. "One" ist ikonisch, das Lied hallt bis heute nach und schnürt in Kombination mit dem Videclip auch bis heute die Kehle zu. "Harvester of Sorrow" ist wohl die stärkste der Midtempo-Heavy-Walzen dieser Band. Mit "To Live is to Die" erinnert die Band an ihr verstorbenes Mitglied Cliff Burton, der Song besteht aus Versatzstücken, die Cliff geschrieben hatte und beinhaltet auch ein von Hetfield vorgetragenes, kurzes Gedicht, das zumindest teilweise aus der Feder Burtons stammt. "...And Justice for All" - ein eiskalter Killer von einem Album, zupackend und gnadenlos und, das sei am Rande bemerkt, geschmückt von Metallicas meiner Meinung nach bestem Cover-Artwork.



Platz 1: Master of Puppets (1986)

Das ist es also - nicht nur das beste Metallica-Album aller Zeiten, sondern für mich auch das beste Heavy Metal-Album aller Zeiten generell und man kann es wohl als gesichert ansehen, dass an dieses Magnum Opus auch niemals wieder jemand wird heranreichen können. Eigentlich ist "Master of Puppets" so etwas wie der große Bruder, die Fortsetzung oder einfach die Perfektionierung von "Ride the Lightning". Über den recht ähnlichen, um nicht zu sagen quasi identischen Aufbau des Albums habe ich mich ja schon ausgelassen. "Master of Puppets" trieb 1986 dann endgültig alles auf die Spitze, sollte man auf dem Vorgänger mit viel bösem Willen noch irgendwelche Schwächen ausgemacht haben, hier waren diese endgültig ausgemerzt. Das Album klingt noch größer, noch wuchtiger, noch voluminöser als sein Vorgänger, die Texte verlassen endgültig die albernen Regionen, die man mit dem Zweitling vielleicht hier und da noch gestreift hatte, alles ist größer, ernster, erwachsener als vorher.

Das soll aber nicht heißen, dass Metallica auf einmal total abgeklärt klangen. Natürlich klingt "Master of Puppets" abgeklärter und professioneller als alles, was man bis dato von der Band gehört hatte, dennoch hört man hier zu jeder Sekunde, dass Leute Anfang bis Mitte 20 am Werk sind, die immer noch jede Menge Wut und Energie im Bauch haben, diese aber besser und effizienter kanalisiert bekommen als je zuvor. Heraus kommen neben den üblichen Thrash-Hammern wie dem Opener "Battery" und dem Abschluss-Gepolter "Damage, Inc." mit seinem furchterregenden Bass-Intro (die beste aller Metallica-Abschlusssong-Attacken) erstmals Songs, die wirklich komplex sind und in Sachen Progessivität das bisherige Material weit hinter sich lassen. Am meisten trifft dies vermutlich auf den Titelsong zu. "Master of Puppets" ist für mich der Metallica-Song und auch der Metal-Song schlechthin, sollte ich jemandem in zehn Minuten erklären, was an Heavy Metal geil ist, so würde ich ihm immer einfach nur dieses Lied vorspielen. Es ist der perfekte Metalsong. Und auch das übrige Material kann sich sehen lassen. "Disposable Heroes" verbindet Lichtgeschwindigkeits-Geriffe mit dem vetrackteren Ansatz des Titelsongs, "Leper Messiah" und "The Thing That Should Not Be" zerwalzen alles unter unfassbar mächtigen Riffs und Bassläufen und mit "Welcome Home (Sanitarium)" gibt es auch wieder die obligatorische Halbballade, die aus meiner Sicht noch ein winziges Stückchen über "Fade to Black" und "One" steht. Cliff Burton setzte sich (natürlich ohne das zu wissen) im Instrumental "Orion" selbst ein Denkmal, für mich ist "Orion" tatsächlich das beste instrumentale Rock/Metal-Stück aller Zeiten, da kommen nicht einmal Rush mit ihren "YYZ" und "La Villa Strangiato" heran, "Orion" steht diesbezüglich einfach über allem und ist abgesehen vom Titelsong eigentlich sogar mein Lieblingsstück des Albums. 

Die kreative Energie, die Metallica auf "Master of Puppets" versprühen, ist schlichtweg unfassbar und mit Worten eigentlich kaum zu beschreiben. Auf ihrem dritten Album bekamen sie die Balance aus Wut und Anspruch so gut hin wie davor und danach nicht wieder, auch wenn es manchmal knapp war. "Master of Puppets" steht trotzdem an der Spitze des Schaffens von Metallica, es ist für mich die Definition von Heavy Metal und in sich und in jeder Hinsicht perfekt. Besser geht es nicht.



So, damit endet das dritte Listensofa bei der Thekenumschau. Wer bis hierhin durchgehalten hat, dem danke ich von Herzen für die Geduld. Ich hoffe, es hat ein wenig gefallen, auch, wenn meine Meinung von der Euren abweichen sollte. Danks fürs Lesen!

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Kommentare: 2
  • #1

    el_conejo (Samstag, 25 Juli 2020 23:32)

    Wie immer verdammt lesenswert. Und Grund genug, jetzt sofort... And justice zu hören.

  • #2

    el_conejo (Donnerstag, 30 Juli 2020 13:04)

    mit der Einschätzung der S&M bin ich allerdings gar nicht zufrieden. Sicher gelingt die erstrebte Symbiose nicht in allen Songs, in einigen jedoch schon. Wobei das Album recht groß in meiner Metal(lica)-Sozialisation war, ich also sicher auch eine besondere Nostalgiebrille trage.